Multiples Myelom - Medizinische Experten

Ein Multiples Myelom (auch bekannt als Plasmozytom) ist eine Krebserkrankung, die das blutbildende System des Menschen befällt. Dadurch kommt es zu einer Auflösung der Knochen (Osteolyse). Wie ein multiples Myelom entsteht, wie es sich bemerkbar macht und wie es behandelt werden kann, erklärt der folgende Text.

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Multiples Myelom - Weitere Informationen

Das Multiple Myelom (MM), auch Morbus Kahler oder Plasmozytom genannt, ist eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks, die durch das vermehrte Auftreten sogenannter Plasmazellen gekennzeichnet ist. Pro Jahr erkranken etwa vier bis sechs von 100.000 Menschen. Das Multiple Myelom macht rund ein Zehntel aller Blutkrebserkrankungen und ca. 1% aller Krebserkrankungen aus.

Die Ursachen des Multiplen Myeloms

Die genauen Ursachen der bösartigen Erkrankung sind weitgehend ungeklärt. In einigen Fällen liegt vermutlich enger Kontakt mit ionisierenden Strahlen zugrunde, wie er von radioaktiven Stoffen ausgeht. Auch eine Belastung mit Pestiziden wird als mögliche Ursache diskutiert. Zu den akzeptierten Risikofaktoren für das Multiple Myelom gehört auch das Alter. So treten die meisten Erkrankungsfälle erst nach dem 45. Lebensjahr auf. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt sogar bei 70 Jahren.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • das männliche Geschlecht
  • afroamerikanische Wurzeln
  • Multiple Myelome bei Verwandten ersten Grades

Starkes Übergewicht und eine schlechte Ernährung mit einem geringen Obst- und Gemüseanteil sowie Erkrankungen des Immunsystems wie AIDS oder Herpes Zoster (Gürtelrose) stehen ebenfalls als Risikofaktoren in der Diskussion.

Normalerweise werden Plasmazellen nach einem Kontakt mit einem entsprechenden Antigen, beispielsweise mit Viren- oder Bakterienbestandteilen, einem Reifungsprozess unterzogen. Sie können sich nach diesem Prozess zwar nicht mehr teilen, dafür aber Antikörper, also Abwehrstoffe gegen die Antigene, produzieren. Im Gegensatz zu diesen Plasmazellen teilen sich die entarteten Plasmazellen, die beim Multiplen Myelom im Knochenmark vermehrt entstehen, ungesteuert.

Sie produzieren zudem große Mengen Paraproteine bzw. freie Leichtketten. Es handelt sich dabei um Proteine, die den Antikörpern in ihrer Struktur sehr ähnlich sind. Sie können allerdings im Immunsystem keinerlei Funktion übernehmen und sind somit nutzlos. Durch die starke Vermehrung der entarteten Plasmazellen haben die normalen blutbildenden Zellen des Knochenmarks keinen Platz mehr. Sie werden verdrängt. Die entarteten Plasmazellen greifen zudem die Knochensubstanz an.

Das Multiple Myelom – die Symptome

Die bösartige Erkrankung entwickelt sich schleichend und zeigt erst in späteren Krankheitsstadien deutliche Symptome. Vorher leiden viele Patienten unter unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Schwächegefühlen oder Gewichtsverlust. Durch die Infiltration des Knochenmarks und die damit verbundene Verdrängung der gesunden blutbildenden Zellen ist die Knochenmarksfunktion vermindert.

Die Folge ist eine Blutarmut (Anämie), die sich durch folgende Symptome äußern kann:

  • Kurzatmigkeit
  • Herzrasen unter Belastung
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwäche
  • Blässe

Wenn dann nicht nur die roten, sondern auch die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) vermindert sind, spricht man auch von einer Leukopenie. Leukozyten haben die Aufgabe, Krankheitserreger abzuwehren. Bei einer stark reduzierten Leukozytenzahl im Blut besteht für den Patienten also eine erhöhte Infektionsgefahr.

Ebenso wie die Leukopenie kann auch die Thrombozytopenie eine Folge des Multiplen Myeloms sein. Der Mangel an Thrombozyten, den Blutplättchen, kann eine erhöhte Blutungsneigung zur Folge haben. Die Patienten leiden unter häufigem Nasenbluten oder entwickeln schnell blaue Flecken. Während bei den roten Blutkörperchen, den weißen Blutkörperchen und den Blutplättchen ein Mangel vorliegt, finden sich im Blut vermehrt die defekten Immunglobuline. Diese können die Viskosität (Zähflüssigkeit) des Blutes deutlich erhöhen. Durch das verdickte Blutserum kommt es zu Durchblutungsstörungen der kleinen Blutgefäße. Diese gestörte Mikrozirkulation kann sich in Form von Benommenheit, Schwindel, Sehstörungen oder Kopfschmerzen äußern.

Die kranken Plasmazellen kommunizieren über verschiedene Wege mit den Osteoklasten und den Osteoblasten. Diese Zellen sind für den Knochenstoffwechsel und einen physiologischen Knochenumbau zuständig. Die Plasmazellen stimulieren vermehrt die knochenabbauenden Osteoklasten und hemmen zugleich die Aktivität der knochenaufbauenden Osteoblasten. Infolge kommt es zu einer Auflösung des Knochengewebes mit Knochenschmerzen und vermehrten Knochenbrüchen.

Ein typischer Röntgenbefund des Multiplen Myeloms ist der sogenannte Schrotschussschädel, der durch viele kleine Osteolysen im Schädelknochen entsteht. Wenn die Wirbelkörper von der Osteolyse betroffen sind, entwickeln die Patienten schon früh Rückenschmerzen. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Patienten werden diese häufig als degenerative altersbedingte Veränderungen fehldiagnostiziert. Oft erfolgt erst nach mehreren Therapieversuchen eine Diagnostik mit bildgebenden Verfahren, die dann später zur Diagnosestellung führt.

Durch den vermehrten Abbau der Knochensubstanz kann es im Krankheitsverlauf oder auch zu Beginn der Erkrankung zu einem Überschuss von Kalzium im Blut kommen. In der medizinischen Fachsprache wird dieses Phänomen als Hyperkalzämie bezeichnet. In der Niere führt diese zu einem erhöhten Wasser- und Natriumverlust. Die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate der Nierenkörperchen geht zurück, sodass es schlussendlich unterstützt durch eine Ablagerung der Leichtketten zum Nierenversagen kommt.

Die Behandlung des Multiplen Myeloms

Eine Heilung ist nach dem aktuellen Forschungsstand nicht möglich. Ziel der Therapie ist deshalb eine Linderung der Beschwerden sowie eine Lebensverlängerung. Beschwerdefreie Patienten müssen in der Regel nicht sofort behandelt werden. Es empfiehlt sich aber eine regelmäßige Kontrolle, damit bei ersten Beschwerden zügig eine Behandlung eingeleitet werden kann. Bei einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut, einer Niereninsuffizienz, einer Blutarmut sowie bei einer Beteiligung der Knochen ist jedoch eine sofortige Behandlung erforderlich. Auch allgemeine Krankheitszeichen wie Nachtschweiß oder Gewichtsverlust sowie eine erhöhte Blutviskosität sind Therapieindikationen.

Bei Patienten unter 70 Jahren werden bevorzugt intensivierte Therapiekonzepte eingesetzt. Standardbehandlung ist die Hochdosistherapie mit einer autologen Blutstammzelltransplantation. Hier erhalten die Patienten üblicherweise eine Kombinationstherapie, die aus Zytostatika und Kortison-Präparaten besteht. Bei der autologen Stammzelltransplantation gewinnen die Ärzte aus dem Knochenmark des Patienten Stammzellen. Nach der Chemotherapie werden diese dem Patienten wieder zugeführt. In vielen Fällen kann so innerhalb einer kurzen Zeit eine Regeneration bei der Blutbildung herbeigeführt werden. In selteneren Fällen erfolgt eine Transplantation von Stammzellen eines fremden Spenders. Es handelt sich hierbei um eine allogene Stammzelltransplantation.

Betroffene, die älter als 70 Jahre sind, erhalten in der Regel eine konventionelle Chemotherapie. Auch wenn die Behandlung erfolgreich war, besteht ein hohes Rezidivrisiko, also die Wahrscheinlichkeit, erneut zu erkranken. Medikamente wie Bortezomib oder Thalidomid sollen den Rückfall verzögern und werden deshalb zur Erhaltungstherapie eingesetzt. Unterstützend erhalten die Patienten häufig Bisphosphonate, die den Verlust der Knochensubstanz eindämmen sollen und auch Schmerzen durch die Osteolyse lindern können. Ebenso kann zur Schmerzlinderung eine Bestrahlung der betroffenen Knochen durchgeführt werden.

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