Tympanoplastik - Medizinische Experten

Bei der Tympanoplastik handelt es sich um eine Operation des Ohres, die nach Verletzungen oder Entzündungen des Trommelfells oder der Gehörknöchelchenkette notwendig wird. Ziel der Tympanoplastik ist dabei der Verschluss des Trommelfelldefektes und die Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette. Die Tympanoplastik kann sowohl in örtlicher Betäubung als auch unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Weitere Informationen zur Tympanoplastik finden Sie im Text weiter unten.

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Tympanoplastik - Weitere Informationen

Wann wird eine Tympanoplastik notwendig?

Ein nicht verheilender Trommelfelldefekt und beschädigte Gehörknöchelchen führen häufig zu einem Hörverlust aufgrund der verschlechterten Schallübertragung sowie zu immer wieder auftretenden Entzündungen des Mittelohres. Ursachen können Verletzungen des Trommelfells oder auch nicht abgeheilte chronische Mittelohrentzündungen mit einem initialen, spontanen Trommelfelleinriss sein. Bei regelmäßigen Entzündungen können die Gehörknöchelchen dauerhaft beschädigt oder sogar komplett zerstört werden. Zudem kann das sogenannte Cholesteatom, ein Sonderfall der chronischen Mittelohrentzündung, zu erheblichen Komplikationen führen.

Was versteht man unter einer Tympanoplastik?

Um die entstandenen Probleme zu beheben bedarf es eines operativen Verschlusses des Trommelfelldefektes sowie einer Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette, der sogenannten Tympanoplastik. Es werden mehrere Typen der Tympanoplastik nach Ihrem Erstbeschreiber Prof. Dr. Wullstein unterteilt, vom einfachen Trommelfellverschluss bis zum kompletten Ersatz der Gehörknöchelchen. Heute gehören die Tympanoplastik Typ I und Typ III zu den gebräuchlichsten Operationstechniken.

Voruntersuchungen vor einer Tympanoplastik

Bei der ersten Vorstellung des Patienten beim HNO-Arzt werden die Probleme, die Vorgeschichte und andere Grunderkrankungen erfragt (Anamnese). Hiermit kann zum Teil auf die Ursachen geschlossen und die Ausprägung der Beschwerden abgeschätzt werden. Es folgt eine orientierende Prüfung des Hörens mit einer Stimmgabel.

Die Untersuchung des betroffenen Ohres erfolgt in der Regel mit einem Mikroskop. Hierbei können die Größe und Lage des Defektes beurteilt und aktuelle Entzündungen ausgeschlossen werden. Als nächstes wird ein Hörtest durchgeführt, um den Hörverlust einzuschätzen.

Um das Ausmaß der Erkrankung zu bestimmen, kann eine Computertomographie erfolgen, zum Beispiel, wenn der Verdacht auf eine Perlgeschwulst (Cholesteatom) oder eine Entzündung des Felsenbeines (Mastoiditis) besteht.

Anästhesie während der Tympanoplastik

Die Tympanoplastik kann in einer örtlichen Betäubung oder in einer Vollnarkose durchgeführt werden, wobei es wichtig ist, die Persönlichkeit und das Schmerzempfinden des Patienten in die Entscheidung mit einzubeziehen. Der Patient muss bei einer örtlichen Betäubung während der Tympanoplastik in der Lage sein, längere Zeit ruhig zu liegen.

Vorgehen bei der Tympanoplastik

Der Hautschnitt für den Zugangsweg kann im Gehörgang, vor dem Ohr oder hinter der Ohrmuschel erfolgen. Die Entscheidung ist im Wesentlichen von den anatomischen Begebenheiten des Patienten sowie von der Lage des Trommelfelldefektes abhängt.

Nach dem Hautschnitt wird die Gehörgangshaut Richtung Trommelfell vom Knochen abgehoben bis der Rand des Trommelfells sichtbar wird. In der Folge wird dieser vom Knochen gelöst und das Trommelfell nach oben geklappt. Die Ränder des Trommelfelldefektes werden umschnitten, um nicht vitales Gewebe zu entfernen und die Heilungstendenz zu verbessern.

Verschluss des Trommelfelldefektes

Der Operateur kann sich für den Verschluss des Defektes verschiedene körpereigene Gewebe aussuchen. Es stehen ihm Bindegewebe vom Muskel (Faszie), Knorpelhaut (Perichondrium) und Knorpel zur Verfügung. Das Gewebe kann er ohne weitere Schnitte im freiliegenden Operationsgebiet gewinnen. Bei sehr kleinen Defekten und ausreichend durchblutetem Trommelfell kann auch Fettgewebe genutzt werden.

Ersatz defekter Gehörknöchelchen

Um defekte Gehörknöchelchen zu ersetzen, kann der Operateur die noch vorhandenen Gehörknöchelchen zur Rekonstruktion nutzen oder künstliche Prothesen, meist aus Titan, einsetzen. Zum Verschluss des Trommelfells wird das Transplantat hinter das Trommelfell gebracht (Underlaytechnik) und haftet in der Regel selbstständig an dessen Rückseite durch Adhäsionskräfte an.

Zum Ende der Operation werden Silikonfolien in den Gehörgang eingelegt und an die Gehörgangshaut angelegt. Danach wird der Gehörgang mit einer Tamponade (Zellstoff oder Gel) ausgestopft und somit die Gehörgangshaut an den knöchernen Gehörgang gedrückt um die Heilung zu unterstützen. Mit der Hautnaht und dem Wundverband wird die Operation beendet.

Nachbehandlung nach der Tympanoplastik

Neben der regelmäßigen Wundkontrolle sollte nach der Operation ein Hörtest zur Kontrolle der Hörleistung erfolgen. Nach 8 bis 10 Tagen erfolgt der Fadenzug der Hautnähte. Die Entfernung der Gehörgangstamponade sowie der Silikonfolien kann je nach Tamponadematerial, Operation und Einschätzung des Operateurs, zwischen dem 5. und 21. Tag nach der Operation durchgeführt werden.

Komplikationen und Risiken der Tympanoplastik

Zu den Komplikationen und Risiken der Tympanoplastik gehören

  • die Abstoßung des Transplantates,
  • das Wiederauftreten der Beschwerden,
  • Entzündungen,
  • starke Vernarbung,
  • Schmerzen,
  • Schwindel,
  • Schmeckstörungen
  • und ein Hörverlust bis hin zur Ertaubung.

Zudem kann es vorkommen, dass der Hörgewinn begrenzt ist. Eine sehr selten auftretende Komplikation stellt die Gesichtsnervenlähmung dar.

Fazit zur Tympanoplastik

Zum Verschluss eines Trommelfelldefektes und der Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette stellt die Tympanoplastik eine sichere Methode dar, welche bei der nötigen Erfahrung des Operateurs ein sehr überschaubares Risiko beinhaltet. Komplikationen treten nur in sehr seltenen Fällen auf.

Autor: Prof. Dr. med. Peter Issing


Dieser Text wurde überprüft von unserem Experten PD Dr. med. Andreas Schmelzer.

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