Strabismus - Medizinische Experten

Strabismus ist in der Bevölkerung unter dem Ausdruck „Schielen" bekannter. Es handelt sich dabei um eine unausgeglichene Balance der Augenmuskeln. Charakteristisch hierfür ist das Abweichen der Blickachsen beider Augen voneinander.

Weitere Informationen zum Strabismus finden Sie im Text weiter unten.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Strabismus - Weitere Informationen

Normalerweise verlaufen die Blickachsen bei Fernsicht parallel und beim Betrachten eines dichter vor den Augen befindlichen Objektes gleichmäßig nach innen gerichtet. Beim Schielen hingegen ist ein Auge stärker nach innen gedreht als das andere.

Für das Ausmaß eines Strabismus gibt es eine große Spannbreite: vom sogenannten Silberblick mit kaum wahrnehmbarer Blickachsenabweichung bis zum entstellenden drastischen Schielen. Die Übergänge sind fließend. Die Veranlagung zum Schielen kann erblich bedingt sein. Ungefähr 6 Prozent der Mitteleuropäer sind vom Strabismus betroffen.

Welche Formen von Strabismus gibt es?

Die Formen des Schielens unterscheiden Mediziner nach unterschiedlichen Kriterien:

Ätiologie

Ätiologie meint in der Medizin die Entwicklungsursachen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. 

Beim Schielen sprechen Ärzte von primärem Strabismus, wenn es ohne eine weitere Augenerkrankung auftritt. Als sekundären Strabismus bezeichnen sie Schielen, das eine andere Erkrankung zur Ursache hat.

Klinisches Erscheinungsbild

Das klinische Erscheinungsbild des Schielens dient ebenfalls als Unterscheidungskriterium unterschiedlicher Stilformen.

Beim manifesten Strabismus beziehungsweise Begleitschielen weichen die Blickrichtungen beider Augen ständig voneinander ab. Sie lassen sich nicht durch bestimmte Anpassungsmethoden einander angleichen. Beim latenten Strabismus beziehungsweise der Heterophorie hingegen ist eine Korrektur des Schielens möglich, wie es dieser Artikel später beschreibt.

Schielrichtung

Die Richtungen beim Schielen stellen ebenfalls jeweils eigene Formen des Strabismus dar.

Eine Schielrichtung nach innen heißt in der Medizinersprache „Esotropie" oder „Strabismus convergens". Die medizinischen Begriffe für das Außenschielen lauten „Exotropie" beziehungsweise „Strabismus divergens".

Esotropia-uncorrected.jpg
Von Sandra Brown, M.D. - University of Michigan Kellogg Eye Center - The Eyes Have It, CC BY 3.0, Link

Von den beim Schielen meist üblichen waagerechten Blickachsenabweichungen abzugrenzen sind außerdem senkrechte Abweichungen. Der Oberbegriff für diese Form lautet „Vertikalotropie". Steht das rechte Auge höher als das linke, sprechen Ärzte von Hypertropie. Befindet sich das linke Auge höher als das rechte, ist von Hypotropie die Rede.

Was sind die Ursachen von Strabismus?

Für Strabismus gibt es verschiedene Ursachen. Handelt es sich um Begleitschielen oder latentes Schielen, ist meistens eine ungleiche Funktion der Augenmuskeln dafür verantwortlich, wobei deren Ursache meistens unbekannt ist. Da Strabismus des Öfteren familiär gehäuft auftritt, spielt auch erbliche Veranlagung eine Rolle als mögliche Ursache. Oft ist Strabismus mit Kurz- oder Weitsichtigkeit vergesellschaftet. Bei latentem Schielen kommt es nur selten zu einem Ungleichgewicht der Blickrichtungen: wenn der Betroffene übermüdet oder gestresst ist oder zu viel Alkohol konsumiert hat.

Lähmungsschielen als Form eines sekundären Strabismus beruht auf einer Lähmung der äußeren Augenmuskeln. Es kann plötzlich und scheinbar aus dem Nichts heraus auftreten. Ursächlich hierfür können Muskelerkrankungen, Entzündungen oder Tumore sein sowie Durchblutungsstörungen. Letztere treten zum Beispiel bei Kindern auf, die bei ihrer Geburt Verletzungen im Gesicht, Gehirn oder Augenbereich erlitten.

Welche Symptome sind typisch fürs Schielen?

Manifestes Schielen beziehungsweise Begleitschielen ist sofort an den unterschiedlichen Blickrichtungen beider Augen erkennbar. Fast immer handelt es sich dabei um eine waagerechte Blickabweichung, wobei meistens nur ein Auge von der Normalstellung abweicht. Manifest Schielende können die abweichenden Blickrichtungen ihrer Augen nicht selbst korrigieren. Sie leiden gelegentlich unter weiteren Begleitsymptomen wie

  • Augenbrennen,
  • Augenzittern,
  • Lichtempfindlichkeit,
  • Konzentrationsschwäche oder
  • Kopfschmerzen.

Manche haben Probleme mit plastischem Sehen, was sich durch ungeschicktes Ergreifen von Gegenständen offenbart.

Latentes Schielen verrät sich oftmals erst in für den Betroffenen stressigen Situationen. Ansonsten gleicht sein Gehirn die leichten Blickabweichungen aus. Außenstehende nehmen keine unterschiedlich ausgerichteten Augen wahr. Begleitsymptome bei latentem Schielen sind vor allem

  • schnelle Ermüdbarkeit,
  • Kopfschmerzen,
  • verschwommenes Sehen oder
  • Doppelbilder.

Beim Lähmungsschielen fällt nur einer oder auch gleich mehrere der äußeren Augenmuskeln aus. Typisch sind außerdem plötzlich auftauchende Doppelbilder und Schwindel sowie gelegentlich Übelkeit. Zum Ausgleich der Doppelbilder halten betroffene Personen häufig ihren Kopf schief. Mediziner sprechen dabei von einer kompensatorischen Kopfschiefhaltung.

Wie wird Strabismus diagnostiziert?

Bereits Laien können einen Strabismus diagnostizieren. Bei Kindern erfolgt eine ärztliche Diagnose häufig während der U1- bis U9-Untersuchungen.

Der Augenarzt beziehungsweise Ophthalmologe arbeitet insbesondere mit speziellen Sehtests, darunter dem Ab- und Aufdeck-Test, bei welchem ein Auge zunächst ab- und danach wieder aufgedeckt wird, um daraufhin die Augenstellungen zu beobachten. Mit derartigen Tests kann der Augenarzt Strabismusformen erkennen, eingrenzen und gegebenenfalls weitere Erkrankungen vermuten oder ausschließen. Erst nach eindeutiger Diagnose kann eine erfolgversprechende Schielbehandlung beginnen.

Wie wird Strabismus behandelt?

Da Strabismus heute oft schon im Kindesalter entdeckt wird, bleibt den Betroffenen meistens eine Operation erspart. Die Therapie des Schielens ist nicht allein aus medizinischen Gründen wichtig, sondern darüber hinaus wegen des kosmetischen beziehungsweise psychischen Aspekts.

Konservative Therapie für Kinder

Kindern verschreibt der Augenarzt eine Brille sowie ein Augentraining, auch als Fusionsschulung bekannt. Dabei lernen Kinder, die durch das Schielen auftauchenden Doppelbilder zusammenzuführen.

Bei der Okklusionstherapie wiederum werden die beiden Brillengläser wechselweise über jeweils einen bestimmten Zeitraum mit einem Pflaster abgeklebt. Das zwingt das sehschwache Auge dazu, mehr zu leisten. Die Methode wirkt einer durch das Schielen ausgelösten eventuellen Sehschwäche entgegen. Die Kinder verlernen so allmählich das Schielen. Idealerweise beginnt die Schieltherapie bei Kindern schon im Kleinkindalter und dauert ungefähr bis zum 12. Lebensjahr.

Konservative Therapie für Erwachsene

Unter Begleitschielen mit Doppelbildern leidende Erwachsene erhalten häufig eine Prismenbrille verordnet. Bei dieser wird ein Brillenglas mit einer matten Folie abgeklebt, um damit die einfallenden Lichtstrahlen zu verändern und so das Stereosehen zu verhindern. Auf diese Weise sollen Betroffene die volle Sehschärfe ihres schwächeren Auges erlangen. Außerdem verläuft bei vielen Erwachsenen eine Fusionsschulung ebenfalls erfolgreich.

Beim Lähmungsschielen gilt die Behandlung der der Augenlähmung zugrundeliegenden Ursache, also nicht unbedingt der Augen selbst.

Operation

Bleiben konservative Therapien erfolglos, empfiehlt der Augenarzt seinem Patienten eine Operation. Üblicherweise wird sie bei Kindern unter Vollnarkose und bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung ausgeführt. Der Chirurg verändert bei der Operation die Augenmuskeln so, dass deren Funktion die Augen künftig gleichmäßig ausrichtet, so dass kein Schielen mehr auftritt.

Fazit

Schielen ist einfach diagnostizierbar und fast immer erfolgreich zu behandeln. Selten liegen ihm ernste Erkrankungen zugrunde.

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen