Sprachstörungen – vielseitiges Krankheitsbild

Bei einer Sprachstörung, auch als Sprachfehler bezeichnet, sind Sprachaufbau und Sprachvermögen beeinträchtigt. Im Gegensatz zur Sprechstörung ist die motorische Erzeugung der Laute nicht betroffen. Dennoch können Sprach- und Sprechstörungen auch gemeinsam auftreten.

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Sprachstörung - Weitere Informationen

Die Ausprägungen der Sprachstörung können ganz unterschiedlich sein. Sie reichen von leichten Sprachentwicklungsstörungen über Störungen der Schriftsprache bis hin zur Taubstummheit, bei der die Betroffenen weder hören noch sich lautsprachlich ausdrücken können.

Wie entstehen Sprachstörungen?

Den Sprachstörungen liegen je nach Form verschiedene Ursachen zugrunde. Sprachentwicklungsstörungen basieren beispielsweise häufig auf Hörstörungen. So können lang anhaltende Mittelohrentzündungen oder dauerhafte Hörstörungen in der sprachsensiblen Phase zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr die Sprachentwicklung behindern. Da die Betroffenen das Gesprochene nicht auditiv wahrnehmen, erlernen sie die Sprache nicht.

Auch genetische, psychische und soziale Faktoren beeinträchtigen die Sprachentwicklung. Zu einem Sprachabbau kommt es häufig bei den verschiedenen Formen der Demenz. Auch andere Erkrankungen, wie beispielsweise die Epilepsie, können mit Sprachstörungen einhergehen. Störungen der Schriftsprache wie die Dyslexie oder die Dysgraphie sind zum überwiegenden Teil durch mangelndes Lese- und Schreibtraining erworben. Sie können aber auch durch Hirnschädigungen nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall ausgelöst werden. Dasselbe gilt für Störungen des Sprachverständnisses und die Aphasie.

Häufigste Ursache der Aphasie sind traumabedingte Schädigungen des Gehirns oder Hirntumore. Auch geistige und körperliche Entwicklungsverzögerungen durch geistige Behinderungen, Geburtstraumata sowie frühkindliche Schädigungen psychischer Art können zu einer Verzögerung der Sprachentwicklung oder sogar zum kompletten Ausbleiben der Sprache führen.

Wie äußert sich eine Sprachstörung?

Es sind verschiedene Arten der Sprachstörung zu unterscheiden:

  • Aphasie
  • Dysphasie
  • Dyslexie
  • Dysgraphie
  • Worttaubheit, fehlende akustische Wahrnehmung
  • Dysgrammatismus

Die Aphasien betreffen je nach Schweregrad die Sprachgestalt, die Wortbedeutungen, den Wortschatz, die Satzbildung oder die Sprachlaute. Die Störungen treten allein oder in Kombination auf. Die leichte Form der Aphasie wird auch als Dysphasie bezeichnet. Aphasiker können ihre Gedanken und Gefühle nicht richtig ausdrücken. Sie erkennen häufig nicht, dass die Worte, die sie wählen, nicht ihren Gedanken entsprechen. Gehörtes oder Geschriebenes erfassen sie in seiner Bedeutung nicht vollständig.

Unter einer Dyslexie versteht man hingegen die Unfähigkeit zu lesen oder das Gelesene zu verstehen. Weder das Hör- noch das Sehvermögen sind hier beeinträchtigt. Menschen mit einer Dyslexie können nicht oder nur sehr langsam lesen. Flüssiges Vorlesen ist ihnen nicht möglich – sie verrutschen häufig in der Zeile oder vertauschen Buchstaben.

Die Unfähigkeit Wörter und Texte zu schreiben wird als Dysgraphie bezeichnet. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten zu schreiben, obwohl sie dazu intellektuell und motorisch in der Lage sind. Wer unter einem Dysgrammatismus leidet, ist nicht in der Lage, grammatisch korrekte Sätze altersgemäß zu bilden.

So fehlt Menschen mit Dysgrammatismus das Verständnis dafür, dass Verben in Abhängigkeit vom Subjekt konjugiert werden. Sie sagen dann beispielsweise statt "du stehst" in Sätzen "du stehe". Ebenso bilden sie den Plural von Wörtern falsch oder platzieren das Verb an einer falschen Stelle im Satz. Aus "Ich möchte ein Eis." wird dann "Ich Eis möchte.".

Die Worttaubheit ist keine Taubheit im eigentlichen Sinne. Die Betroffenen nehmen die Sprachlaute zwar wahr und unterscheiden sie auch, können sie aber nicht als solche verstehen. Die "innere Sprache" und damit auch die Fähigkeit zum Schreiben oder Lesen ist ebenfalls kaum beeinträchtigt.

Wie werden Sprachstörungen diagnostiziert?

Insbesondere im Kindesalter können Sprachstörungen schwer diagnostiziert werden. Die Entwicklung der Sprache ist von Kind zu Kind verschieden, sodass sich viele Auffälligkeiten im Verlauf der ersten Lebensjahre wieder ausgleichen. Zur Überprüfung des altersgemäßen Standes der Sprachentwicklung stehen den Ärzten jedoch verschiedene Tests und Screenings zur Verfügung, die sich auf die unterschiedlichen Sprachbereiche wie Wortschatz oder Grammatik beziehen. Zur genauen Analyse der Sprachfähigkeiten können auch Videoaufzeichnungen genutzt werden.

Kind beim Lernen

Ist der Entwicklungsstand tatsächlich auffällig, werden in der Regel Hörtests durchgeführt, um ein mangelndes Hörvermögen als Ursache auszuschließen. Auch zur Diagnose von Sprachstörungen bei Erwachsenen gibt es verschiedene Tests. So kommt bei Verdacht auf eine Aphasie beispielsweise der Aachener Aphasie-Test (AAT) zum Einsatz, der es ermöglicht, die verschiedenen Formen der Sprachstörung und ihren jeweiligen Schweregrad zu diagnostizieren.

Wie wird eine Sprachstörung behandelt?

Ganz unabhängig davon, welche Ursachen der Sprachstörung zugrunde liegen, besteht die Behandlung in der Regel aus einer Sprachtherapie. Diese wird von Logopäden oder speziell ausgebildeten Sprachtherapeuten durchgeführt. Sprachentwicklungsstörungen im Kindesalter werden auf eine spielerische Art und Weise behandelt. Die betroffenen Kinder erhalten spezielle Übungen oder werden durch Reize zum korrekten Sprechen animiert.

Die Behandlung sollte aber nicht ausschließlich in der logopädischen Praxis erfolgen. Insbesondere im Alltag müssen die Kontaktpersonen des Kindes darauf achten, dass das Kind korrekt spricht und es bewusst zum Sprechen anregen. Auch das gemeinsame Singen oder Lesen fördert die Sprachentwicklung. Da Sprachentwicklung und Motorik eng miteinander zusammenhängen, kann eine Ergotherapie als ergänzende Behandlung sinnvoll sein.

Bei Erwachsenen mit Sprachstörungen steht die (Re-)Aktivierung der Sprache im Vordergrund. Dabei machen sich die Logopäden insbesondere die ausgeprägte Lernfähigkeit des Gehirns zunutze. Ein Teil der verlorengegangenen Fähigkeiten kann so in einigen Fällen wiedergewonnen werden. Ist dies nicht möglich, üben die Therapeuten mit den Betroffenen andere verbale und nonverbale Strategien zur Kommunikation ein, sodass sie sich auch ohne die gesprochene Sprache auszudrücken können.

Wie ist die Prognose bei Sprachstörungen?

Die Prognose hängt von der Art und der Ursache der Störung ab. Während sich Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern durch eine frühzeitige Therapie gut behandeln lassen, nimmt die Sprachfähigkeit bei Demenzkranken trotz therapeutischer Unterstützung in vielen Fällen stetig ab. Grundsätzlich gilt, dass eine frühe Diagnose mit entsprechend rascher logopädischer Therapie die Prognose deutlich verbessert.

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