Netzhautablösung - Medizinische Experten

Bei einer Netzhautablösung – auch Amotio retinae oder Ablatio retinae genannt –handelt es sich um eine Augenerkrankung, bei der sich die Netzhaut von der unter ihr liegenden Versorgungsschicht, dem retinalen Pigmentepithel, ablöst. Zu den möglichen Symptomen einer Netzhautablösung gehören unter anderem das Wahrnehmen von Lichtblitzen und das Auftreten von dunklen Schleiern oder Gebilden im Blickfeld. Eine Netzhautablösung stellt einen augenärztlichen Notfall dar und muss meist operativ behandelt werden.

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Netzhautablösung - Weitere Informationen

Definition: Netzhautablösung

Die akute Netzhautablösung (Fachbegriff: Amotio retinae oder Ablatio retinae) ist ein schwerer Notfall und wird in der Regel zeitnah operativ behandelt.

Die Netzhaut ist jene Schicht, in der sich die Zapfen und Stäbchen, die Sinnesrezeptoren befinden, mit der wir Licht und jede Form von Seheindrücken wahrnehmen. Die sehr feine anatomische Schicht wird bei einer Netzhautablösung von den unter ihr liegenden, für die Versorgung der Sinnesrezeptoren zuständigen Strukturen wie dem retinalen Pigmentepithel und der Aderhaut getrennt.

Dehnt sich die Netzhautablösung so weit aus, dass auch die Stelle des Schärfsten Sehens in der Netzhautmitte, die Makula, von ihrer Unterlage abgehoben ist, verschlechtern sich die Chancen, das Sehvermögen auf dem betroffenen Auge wiederherzustellen, drastisch.

Slit lamp photograph showing retinal detachment in Von Hippel-Lindau disease EDA08.JPG
Spaltlampendarstellung einer Netzhautablösung; Von National Eye Institute/National Institutes of Health - http://www.nei.nih.gov/photo/eyedis/index.asp, Gemeinfrei, Link

Ursachen einer Netzhautablösung

Die wichtigste Ursache einer Netzhautablösung ist das Vorliegen von Rissen oder Löchern in der Netzhaut; die Augenärzte sprechen in diesen Fällen von einer rhegmatogenen Amotio. Durch diese Risse kann Flüssigkeit unter die Netzhaut einsickern und sie immer weiter abheben.

An der Netzhaut kann aber auch gezogen werden – wenn sich beispielsweise Membranen im Glaskörper bilden, die zu einer Schrumpfung und damit zum Zug an der Netzhaut führen. Eine solche “Traktionsamotio” genannte Netzhautablösung gibt es vor allem bei Diabetikern mit einer fortgeschrittenen Augenbeteiligung, der proliferativen diabetischen Retinopathie.

Und auch nach schweren Entzündungen im Auge und nach Verletzungen kann es zu einer Netzhautablösung kommen – unter anderem nach stumpfen Traumen beim Sport wie dem Auftreffen eines Squashballs oder eines Eishockeypucks auf dem Augapfel.

Symptome einer Netzhautablösung

Es gibt durchaus Netzhautablösungen, bei denen der Patient zunächst wenig oder gar nichts bemerkt; vor allem, wenn nur ein kleines Segment der Netzhaut in der Peripherie abgehoben ist. Häufige, aber nicht beweisende Symptome einer Netzhautablösung sind das Wahrnehmen von Lichtblitzen und das Auftreten von dunklen Schleiern oder Gebilden, die durch das Blickfeld des Patienten schwimmen (“Rußregen”).

Bei ausgedehnter Abhebung beschreiben die Patienten typischerweise, dass sich eine dunkle Wand von unten beginnend aufbaut (dann ist die Netzhautablösung im Auge oben, die Netzhaut nimmt die Bilder zunächst auf dem Kopf stehend wahr) oder dass sich ein dunkler Vorhang von oben herabsenkt (Netzhautablösung im unteren Netzhautsektor). Bei Übergreifen der Netzhautablösung auf die Makula ist das Sehvermögen massiv gestört.

Behandlung einer Netzhautablösung

Eine Netzhautablösung muss praktisch immer operativ versorgt werden. Es gibt mehrere Operationsverfahren; die beiden wichtigsten sind die Buckelchirurgie und die Glaskörperchirurgie (Vitrektomie).

Buckelchirurgie zur Behandlung einer Netzhautablösung

Bei der Buckelchirurgie wird von außen eine Plombe, meist aus Silikonkautschuk, so auf die Lederhaut (Sklera) aufgenäht, dass sich diese eindellt und die Netzhaut auf diesem “Buckel” zur Wiederanlage gebracht wird. Mit der Applikation von Kälte durch eine Kryosonde wird dieser Zusammenhalt unterstützt. Die Flüssigkeit, die sich unter der abgehobenen Netzhaut angesammelt hat, wird von außen durch eine Punktion abgelassen. Eine Sonderform dieser eindellenden Operation ist das Anlegen eines die Sklera eindrückenden Bandes, einer Cerclage.

Glaskörperchirurgie zur Behandlung einer Netzhautablösung

Die glaskörperchirurgische Operation, die Vitrektomie, ist aufwendiger, da hierbei das Auge eröffnet wird und der Chirurg vom Augeninneren aus die Netzhaut wieder zur Anlage zu bringen versucht. Die Vitrektomie wird vor allem bei einer komplizierten Situation wie z.B. bei ausgedehnten diabetischen Veränderungen oder dann angewandt, wenn das Netzhautloch oder die Netzhautlöcher nicht in der Peripherie, sondern im Zentrum der Netzhaut, nahe der Makula und des Sehnerven liegen. Die Netzhaut wird bei dem Eingriff mit einem endoskopische Laser an ihrer Unterlage angeschweißt, der natürliche Glaskörper des Auges wird entfernt und durch Silikonöl oder ein spezielles Gas ersetzt.

Prognose bei einer Netzhautablösung

Wird die akute Netzhautablösung in den ersten Tagen der Diagnosestellung operiert und ist ihre Ausdehnung begrenzt, so sind die Aussichten für den Patienten gut; nicht selten kann sogar wieder ein recht gutes Sehvermögen erlangt werden. War die Makula bei der Netzhautablösung allerdings mit abgehoben, wird die Sehschärfe in der Regel nicht wieder vollständig herzustellen sein.

Nachsorge bei einer Netzhautablösung

Wer eine Netzhautoperation hinter sich hat, sollte zumindest in den nächsten Wochen auf körperliche Belastungen wie Sport und das Heben schwerer Gegenstände verzichten. In den ersten Tagen sollte auf alles verzichtet werden, bei dem sich die Augen schnell hin und her bewegen - also vor allem auf das Lesen; Fernsehen hingegen (wo man fix in eine Richtung blickt) ist erlaubt.

Augenärztliche Kontrollen sollten – je nach Ausdehnung der Amotio und dem gewählten Operationsverfahren - in mehrwöchigem, dann in mehrmonatigem Abstand erfolgen. Bei Wiederauftreten der genannten Symptome wie Blitzen, Eindunklung oder Sehverschlechterung sollte umgehend ein Augenarzt oder eine Augenklinik aufgesucht werden.

Vorbeugung einer Netzhautablösung

Da die meisten Netzhautablösungen als Folge von Netzhautlöchern oder -rissen entstehen, sollten sich gefährdete Personengruppen regelmäßig auf solche Veränderungen hin augenärztlich untersuchen lassen - und auf die Vorformen von Löchern. Diese entwickeln sich häufig aus verdünnten Netzstellen, meist in der Peripherie liegenden Degenerationen. Der Augenarzt kann diese Degenerationen oder bereits bestehende Löcher bei einer relativ einfachen Untersuchung entdecken, nachdem die Pupillen des Patienten mit speziellen Augentropfen (Mydriatika) erweitert wurden.

Ein wichtiger Risikofaktor für solche Degenerationen ist die Kurzsichtigkeit. Menschen mit mehr als zwei Dioptrien Kurzsichtigkeit (Myopie) sollten sich ca. alle zwei Jahre untersuchen lassen. Wird eine Degeneration oder eine andere potentiell zur Netzhautablösung führende Veränderung entdeckt, kann diese prophylaktisch mit dem Laser oder mit Kälte (Kryo) abgeriegelt, quasi mit den Unterlage “verschweißt” werden, so dass an dieser Stelle die Netzhaut nicht einreißen kann.

Autor: Prof. Dr. med. Burkhard Dick

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