Sprunggelenksarthrose - Medizinische Experten

Bei einer Sprunggelenksarthrose, auch OSG-Arthrose genannt, handelt es sich um einen Verschleiß des oberen Sprunggelenks. Als Ursache einer Arthrose im Sprunggelenk kommen neben entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auch Folgezustände nach Bruchverletzungen in diesem Bereich in Frage. Eine schwere Arthrose im Sprunggelenk wird heute in den meisten Fällen noch immer versteift. Inzwischen kann jedoch das Sprunggelenk durch eine Prothese ersetzt werden.

Weitere Informationen zur Sprunggelenksarthrose finden Sie im Text weiter unten.

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Sprunggelenksarthrose - Weitere Informationen

Anatomie und Funktion des oberen Sprunggelenks

Das obere Sprunggelenk (OSG) besteht aus der Sprunggelenksgabel, die aus Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) gebildet wird, und dem Sprungbein (Talus). Im oberen Sprunggelenk findet das Heben und Absenken des Fußes statt. Das Sprungbein führt dabei eine Gleit- und geringfügige Drehbewegung innerhalb der Sprunggelenksgabel aus. Die Gelenkflächen von Schienbein und Sprungbein bestehen aus Knorpel.

Ursachen einer Sprunggelenksarthrose

Die Arthrose, die zur Zerstörung des Knorpels führt, ist beim Sprunggelenk in der Regel das Endergebnis einer vorausgegangenen Verletzung (Trauma) oder einer rheumatischen Gelenkentzündung (Arthritis). Der ältere Mensch leidet häufig unter abgenutzten Gelenken. Doch auch junge Leute, vor allem sehr aktive Sportler können betroffen sein, denn gelegentlich führt ein simpler Umknickbruch im Lauf der Jahre zu einer Arthrose im Sprunggelenk.

Ein Umknicken im Sprunggelenk, etwa beim Stolpern auf einer Treppe kann zu einem Bruch (Fraktur) des Innenknöchels, des unteren Bereichs des Wadenbeines (Außenknöchel), oder zu Kombinationen dieser Verletzungen mit Begleitverletzungen am Sprungbein führen. Typisch sind ein geschwollenes, schmerzhaftes Sprunggelenk mit Bluterguss (Hämatom) und Bewegungseinschränkung. In Deutschland werden beispielsweise allein den Berufsgenossenschaften jährlich etwa 10.000 Sprunggelenkfrakturen gemeldet.

Primäre Arthrose im Sprunggelenk

Seltener sind so genannte primäre Sprunggelenksarthrose, bei denen keine klare Ursache für den Verschleiß gefunden wird und wahrscheinlich ein minderwertiger Knorpelaufbau verantwortlich ist. Dass die Ursache für den Gelenkverschleiß nicht herauszufinden ist, kommt beim Sprunggelenk jedoch im Vergleich zur Arthrose des Hüft- oder Kniegelenkes eher selten vor. Dies ist im Wesentlichen auf eine Besonderheit in der biochemischen Zusammensetzung des Sprunggelenkknorpels zurückzuführen. Verglichen mit anderem Gelenkknorpel, etwa dem des Hüftgelenkes, weist der Knorpel des Sprunggelenkes eine deutlich höhere Druckfestigkeit auf.

Symptome einer Arthrose im Sprunggelenk

Die entzündliche oder auch degenerative Zerstörung des Knorpels im oberen Sprunggelenk ist durch eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Gelenkes gekennzeichnet. Jeder Schritt schmerzt und in fortgeschrittenen Stadien der Sprunggelenksarthrose bestehen Schmerzen auch in Ruhe. Dann ist das obere Sprunggelenk häufig geschwollen und die Bewegung deutlich eingeschränkt. Nicht selten sind auch Achsabweichungen und manchmal Bandinstabilitäten zu beobachten. Das Röntgenbild zeigt dann die Zerstörung des Gelenkes mit aufgehobenem Gelenkspalt und knöchernen Anbauten des Gelenkes.

Behandlung einer Sprunggelenksarthrose

In Anfangsstadien kann durch eine Gelenkspiegelung die Beweglichkeit durch Entfernung vorderer Knochennasen am Unterschenkel verbessert werden. Bei einer fortgeschrittenen Sprunggelenksarthrose stehen prinzipiell die Versteifung und die obere Sprunggelenkendoprothese als chirurgisch-therapeutische Maßnahmen zur Verfügung.

Versteifung des Sprunggelenks bei einer Sprunggelenksarthrose

Mit einer Versteifung des Sprunggelenkes lassen sich die Schmerzen bei den meisten Patienten mit Sprunggelenksarthrose deutlich reduzieren. Die Versteifung des oberen Sprunggelenkes wird heute in den orthopädisch-chirurgischen Lehrbüchern als Methode der Wahl zur Behandlung einer Sprunggelenksarthrose empfohlen und wird in vielen Kliniken ausgeführt. Die Technik der Sprunggelenksarthrodese ist in den letzten Jahren weiterentwickelt worden. Die Knorpelreste der zerstörten Gelenkflächen werden zusammen mit der krankhaft veränderten Knochenschicht entfernt. Tibia und Talus werden durch Einbringen von Schrauben und Platten intern fest fixiert und heilen ähnlich wie bei einem Knochenbruch zusammen. Bestehende Achsabweichungen im Sprunggelenk werden durch Abtrennen von Knochenkeilen definierter Größe korrigiert, „geradegestellt“. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Wann ist eine Sprunggelenksversteifung nicht geeignet?

Die Versteifung (Arthrodese) gilt in den meisten Kliniken noch als „golden standard“-Verfahren. Zu bedenken ist hierbei jedoch, dass speziell bei Patienten mit entzündlicher Polyarthritis sehr häufig die Gelenke des Mittelfußes steif sind. Nicht selten ist auch das andere Sprunggelenk mit befallen. Darüber hinaus sind in dem angesprochenen Patientenkollektiv zu einem großen Prozentsatz bereits Operationen an den unteren Extremitäten durchgeführt worden, die Gesamtmobilität und Gangbild beeinträchtigen.

Eine Versteifung des oberen Sprunggelenkes kann daher in der Regel nicht durch die übrigen Rück- und Mittelfußgelenke kompensiert werden und die proximal und distal gelegenen Gelenke werden vermehrt belastet. Dies kann z.B. zu einer Schmerzverstärkung in den Nachbargelenken führen. Daher wird der endoprothetische Ersatz vor allem bei einer entzündlichen Zerstörung des oberen Sprunggelenkes zunehmend gegenüber der Arthrodese bevorzugt.

Endoprothetik des oberen Sprunggelenks bei einer Arthrose im Sprunggelenk

Die Endoprothesen des oberen Sprunggelenkes lassen sich bezüglich ihrer Bauart unterteilen in uniaxiale, semigekoppelte Zweikomponentenprothesen (Scharnierprinzip), multiaxiale Zweikomponentenprothesen („ball-and-socket-Prinzip“) und Dreikomponentenprothesen.

Mit welcher Sprunggelenksprothese werden die besten Ergebnisse erzielt?

Im oberen Sprunggelenk finden nicht nur eine Scharniergelenkbewegung, sondern auch ein Gleiten, eine leichte Inversion und Eversion sowie eine Rotation beim Gang im OSG statt. Uniaxiale Zweikomponentenprothesen mit einem Scharniergelenk-Prinzip wiesen daher hohe Lockerungsraten auf. Das Problem der multiaxialen Zweikomponentenprothesen lag in der oft unzureichenden Gelenkstabilisierung.

Mit den modernen Dreikomponentenprothesen werden die physiologischen Bewegungsachsen deutlich besser imitiert. Hierbei bewegt sich ein Polyäthylen-Gleitkern als dritte Komponente zwischen zwei polierten, einerseits in der Schienbeinunterfläche, andererseits in der Sprungbeinrolle fixierten Metalloberflächen. Bei diesen Modellen ist die tibiale Metallkomponente flach, während die Talusrolle durch ihre Formgebung und durch die korrespondierende Formgebung den Gelenkkern führt und seine Luxation verhindert.

Durch die Verschieblichkeit des Gleitkernes gegenüber der Tibiakomponente wird die Friktion zwischen dem Polyäthylen und der talaren Komponente vermindert und die Scherkraft auf die tibiale und talare Metallkomponente minimiert, so dass ein zementfreier Einbau bei diesen beiden Prothesentypen möglich wurde. Die zementlose Implantation der Dreikomponentenprothesen hat den Vorteil, dass bei einer eventuell notwendigen Explantation weniger Knochen verloren geht und eine Arthrodese sicher durchgeführt werden kann.

Die Dreikomponentenprothesen wiesen bei Nachuntersuchungen deutlich bessere Ergebnisse als die Zweikomponentenprothesen auf. Die Komplikations- und Lockerungsrate war deutlich geringer und die erzielte Beweglichkeit größer. Biomechanische Untersuchungen konnten zeigen, dass Dreikomponentenprothesen eine normale Rotations- sowie eine normale Inversions- und Eversionsstabilität besitzen. So scheinen die Dreikomponentenprothesen den physiologischen Bewegungsablauf im oberen Sprunggelenk derzeit am besten gewährleisten zu können. Dies wird durch Druck- und Kraftmessungen unter dem Fuß beim Gang unterstützt.

Aus heutiger Sicht ist die obere Sprunggelenksprothese in Form der Dreikomponentenprothesen ein gutes Behandlungskonzept bei der rheumatisch-arthritischen Destruktion des oberen Sprunggelenkes bzw. Sprunggelenksarthrose.

Autoren: Prof. Dr. med. Bernd Fink, Dr. med. Ruprecht Freiherr von Welser

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