Medizinische Experten für eine Knorpeltransplantation

Die Knorpeltransplantation, auch autologe Knorpelzelltransplantation oder autologe Chondrozyten-Transplantation (ACT) genannt, ist ein neuartiges Operationsverfahren zur Behandlung von Knorpelschäden in den großen Gelenken. Es eignet sich insbesondere für jüngere Patienten mit begrenztem Knorpelschaden oder lokaler Arthrose. Ziel ist es, größere vollschichtige Knorpeldefekte mit körpereigenem Knorpel zu beheben. Zum Einsatz kommt die Knorpeltransplantation insbesondere bei Knorpelschäden im Hüft-, Knie- oder Sprunggelenk.

Weitere Informationen zur Knorpeltransplantation finden Sie im Text weiter unten.

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Knorpeltransplantation - Weitere Informationen

Was versteht man unter Knorpeltransplantation?

Die autologe Knorpelzelltransplantation (ACT) wurde durch ein schwedisches Forscherteam entwickelt. Aus einem nicht belasteten Areal des Gelenkes wird bei einer Arthroskopie ein kleines Stück Knorpel entnommen. Anschließend wird es mit einem Spezialverfahren von seinen Fasern befreit und die nun frei gewordenen Knorpelzellen sozusagen im Reagenzglas durch Züchtung vermehrt. Etwa nach drei bis sechs Wochen wird in einem offenen Verfahren der Knorpeldefekt zunächst mit einer Knochenhaut übernäht. In die daraus resultierende Tasche werden die gezüchteten Knorpelzellen injiziert. Im Verlaufe von einigen Monaten entsteht hieraus ein neuer Knorpel, der dem natürlichen Knorpel entspricht.

Kurz und mittelfristige Ergebnisse der autologen Knorpeltransplantation sind vielversprechend, Langzeitergebnisse stehen noch aus. Gerade am Kniegelenk müssen Begleitverletzungen des Knorpelschadens wie eine Kreuzbandruptur mitversorgt werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Wie entsteht ein Knorpelschaden und wann ist eine Knorpeltransplantation durchzuführen?

Knorpelschäden an den großen Gelenken treten entweder durch Verschleiß (Arthrose) oder durch einen Unfall auf. Je nach Ausmaß des Knorpelschadens stehen sehr unterschiedliche Therapieformen zur Verfügung. Eine Knorpeltransplantation kann man bei vollschichtigen, lokal begrenzten Knorpelschäden, überwiegend an Knie und Sprunggelenk oder am Hüftgelenk durchführen.

Ein lokaler Knorpelschaden äußert sich durch Belastungsschmerzen und eine Schwellneigung. Nach längerer Belastung können auch Ruheschmerzen auftreten. Die Diagnose wird in der Regel mittels einer Magnetresonanztomographie gestellt. In Einzelfällen kann erst intraoperativ anlässlich einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) definitiv festgelegt werden, ob das Ausmaß des Knorpelschadens durch eine Knorpeltransplantation behandelt werden kann.

Wie läuft die autologe Knorpelzelltransplantation ab?

Bei der sogenannten autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT) wird Knorpel bei einer ersten Gelenkspiegelung an einer unbelasteten Stelle entnommen. Dieser körpereigene Knorpel wird in einem Labor auf unterschiedlichen Trägermaterialien (Matrix) innerhalb von ca. 3-4 Wochen zu einem großen Knorpeltransplantat herangezüchtet. Dieses Transplantat wird in einem zweiten, in der Regel offenen Eingriff, auf die defekte Stelle transplantiert. Bei tiefen Defekten, die bis in den Knochen reichen, muss ggf. der Knochen mit einer Spongiosaplastik unterfüttert werden.

Für die Knorpeltransplantation geeignete Gelenkanteile sind die Oberschenkelrollen des Kniegelenkes, die Kniescheibenrückfläche sowie am oberen Sprunggelenk die Talusgelenkfläche. Bei Kniegelenksverletzungen müssen Meniskusschäden oder Kreuzbandverletzungen mitversorgt werden. Hierfür ist eine individuelle Therapieplanung notwendig.

Mögliche Risiken der Knorpeltransplantation

Hauptproblem der Knorpeltransplantation ist das unvollständige Anwachsen des transplantierten Knorpels oder ein nichtbelastbares Transplantat.

Heilungsaussichten nach der Knorpeltransplantation

Die Heilungsaussichten sind bei isolierten kleineren Defekten besser als bei größeren Defekten. Unfallbedingte Knorpelschäden haben eine bessere Prognose als arthrosebedingte Knorpelschäden. Der körpereigene transplantierte Gelenkknorpel ist bezüglich seiner Zusammensetzung anderen Verfahren überlegen. Bessere Langzeitergebnisse als bei herkömmlichen Therapien werden erwartet.

Nachsorge nach der Knorpeltransplantation

Der frisch transplantierte Knorpel ist noch nicht belastbar und erfordert daher in Abhängigkeit vom betroffenen Gelenk ein spezielles Nachbehandlungsschema mit mehrwöchiger Entlastung und Einschränkungen beim Bewegungsumfang.

Sport nach der Knorpeltransplantation

Ziel der autologen Knorpeltransplantation ist es, beim jüngeren Sportler mit unfallbedingtem Knorpelschaden auch eine Sportfähigkeit wiederherzustellen. Voraussetzung hierfür ist neben einem stabil eingeheilten Transplantat eine gute wiedererlangte Koordination und ein guter Wiederaufbau der Muskulatur.

Autor: Prof. Dr. med. Michael Haake

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