Morbus Perthes - Medizinische Experten

Beim Morbus Perthes, auch Perthes-Krankheit oder juvenile Hüftkopfnekrose genannt, handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfs im Wachstumsalter, deren Ursache bislang nicht abschließend geklärt werden konnte.

Weitere Informationen zum Morbus Perthes finden Sie im Text weiter unten.

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Morbus Perthes - Weitere Informationen

Was geschieht bei Morbus Perthes?

Während der Erkrankung kommt es aufgrund der Durchblutungsstörung zunächst zum Absterben des Knochengewebes (Osteonekrose) des Hüftkopfs. Das abgestorbene Gewebe (Nekrose) wird vom Körper abgebaut, parallel finden Reparationsvorgänge mit erneutem Knochenaufbau statt.

Häufigkeit und Dauer von Morbus Perthes

Die Erkrankung betrifft bevorzugt Jungen im Alter zwischen 4 und 9 Jahren. Die Krankheit verläuft über einen Zeitraum von ca. 2 bis 4 Jahren, gelegentlich bei späterem Krankheitsbeginn auch länger.

Was sind die Symptome beim Morbus Perthes?

Die Erkrankung verläuft häufig symptomarm. Gelegentlich finden sich zu Beginn belastungsabhängige Beschwerden im Bereich der Leiste und des Oberschenkels. Manchmal werden die Schmerzen von den Kindern auch im Kniegelenk angegeben. Gelegentlich beobachten die Eltern ein Hinken. Vielfach findet sich bei der klinischen Untersuchung eine erhebliche Bewegungseinschränkung des Hüftgelenkes.

Wie wird die Diagnose Morbus Perthes gestellt?

Die Diagnose wird röntgenologisch gestellt. Im Anfangsstadium ist in manchen Fällen bei bereits bestehenden Beschwerden auf dem Röntgenbild noch keine Veränderung zu erkennen, so dass die Diagnose im sehr frühen Stadium mittels der Kernspintomografie gestellt werden kann. Ansonsten liefert die Kernspintomografie keine für die Festsetzung der Therapie notwendigen Informationen. Die Erkrankung zeigt einen stadienhaften Verlauf, der im Röntgenbild nachvollzogen werden kann.

Die Stadien beim Morbus Perthes

  • Initialstadium: der Gelenkspalt ist im Vergleich zur gesunden Gegenseite relativ verbreitert.
  • Kondensationsstadium: Der Knochen des Hüftkopfs erscheint verdichtet und nimmt an Höhe ab.
  • Fragmentationsstadium: Auf dem Röntgenbild erscheint der Hüftkopf fleckförmig zerfallen. In diesem Stadium findet gleichzeitig die Resorption von abgestorbenem Gewebe und der Wiederaufbau des Hüftkopfs statt. Häufig zeigt sich eine Veränderung der anatomischen Formgebung mit einer Verbreiterung des Hüftkopfes und des Schenkelhalses. In manchen Fällen zeigt sich die Tendenz einer Subluxation des Kopfes aus der Pfanne heraus. Der Hüftkopf wird dann von der Pfanne nicht mehr vollständig überdacht.
  • Reparationsstadium: Man erkennt die Reparationsvorgänge des Organismus und der Hüftkopf remodelliert sich.
  • Endstadium: Der Hüftkopf hat seine endgültige Form ausgebildet. Das Erscheinungsbild des Kopfes in Relation zur Pfanne entscheidet über die Langzeitprognose.

Behandlung des Morbus Perthes

Ziel sämtlicher therapeutischer Maßnahmen ist die Wiederherstellung eines möglichst normalen Gelenkes mit einem sphärischen Hüftkopf und einer guten Kongruenz von Gelenkpfanne und Hüftkopf (Containment) sowie einer guten Funktion. In Abhängigkeit vom Verlauf und dem Schweregrad der Erkrankung sind zur Erreichung dieses Zieles unterschiedliche Maßnahmen erforderlich.

Grundsätzlich gilt, dass während der floriden Phase der Erkrankung die Belastung reduziert werden soll. Das Motto lautet „Schritte sparen“. Sprung- und Stoßbelastungen sind auf jeden Fall zu vermeiden (z.B. Fußballspielen, Hüpfen). Aktivitäten ohne Belastung wie Schwimmen und Fahrradfahren sind zu fördern.

Nachbehandlung beim Morbus Perthes

Unabdingbare Voraussetzung für ein gutes Ausheilungsergebnis ist eine gute Gelenkbeweglichkeit. Dazu ist eine regelmäßige krankengymnastische Übungsbehandlung in allen Fällen mit reduzierter Gelenkbeweglichkeit erforderlich, die auch täglich zu Hause nach Anleitung durchgeführt werden soll. In manchen Fällen mit sehr ausgeprägter Bewegungseinschränkung ist eine intensive stationäre Behandlung sinnvoll, bei der neben der Krankengymnastik eine Extensionsbehandlung zur Lockerung der Weichteile und Dehnung der Muskulatur angewendet wird, in Kombination mit muskelentspannenden und schmerzlindernden Medikamenten.

In selten Fällen empfehlen wir nach ausführlicher Aufklärung, die Injektion von Botulinumtoxin, ein Medikament, das die Spannung der Muskeln reduziert, zur Verbesserung der Beweglichkeit. Zeigt sich bei den regelmäßig durchzuführenden Röntgenkontrollen, dass der Hüftkopf nicht gut in der Hüftgelenkspfanne zentriert ist, können operative Maßnahmen zur Verbesserung der Kongruenz zwischen Hüftkopf und -pfanne erforderlich sein. Diese werden entweder am Oberschenkelknochen (Varisationsosteotomie) und/oder am Becken mit Korrektur der Pfannenposition (OP nach Salter, Tripleosteotomie) durchgeführt.

Falls eine Operation durchgeführt werden musste, ist in der postoperativen Phase weiterhin der Erhalt der Beweglichkeit äußerst wichtig. Deshalb soll die Krankengymnastik kontinuierlich fortgesetzt werden. Das betroffene Bein muss bis zum vollständigen Ausheilen des Knochens entlastet werden. Dies dauert etwa 6 bis 10 Wochen und wird anhand von Röntgenbildern kontrolliert. Eine Fixation im Gipsverband sollte nur in Ausnahmefällen (unsichere Fixation der Osteotomie, unkooperatives Kind) erfolgen.

Morbus Perthes und Medikamente

Bislang sind keine Medikamente bekannt, die die Durchblutungsstörung bei Morbus Perthes positiv beeinflussen. Entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente sind indiziert, wenn der kleine Patient über Beschwerden klagt. Muskelentspannende Medikamente können eingesetzt werden, um den Muskeltonus zu senken und dadurch die krankengymnastische Übungsbehandlung zu erleichtern, mit dem Ziel der Verbesserung der Beweglichkeit.

Wie sieht die Prognose beim Morbus Perthes aus?

Die Langzeitprognose beim Morbus Perthes ist abhängig von der Kongruenz zwischen dem Hüftkopf und der Hüftgelenkspfanne. Bei einem guten Ausheilungsergebnis, bei dem die Kongruenz zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne wiederhergestellt werden konnte, ist die Prognose gut. In Fällen, bei denen es zu erheblichen Deformierungen des Hüftgelenkes gekommen ist, können vorzeitig Verschleißerscheinungen (Arthrose) auftreten, die dann in frühen Jahren eine Gelenkersatzoperation (Implantation einer Hüfttotalendoprothese) notwendig machen können.

Gibt es Möglichkeiten der Vorsorge beim Morbus Perthes?

Der Morbus Perthes ist eine schicksalhafte Erkrankung, die nicht durch präventive Maßnahmen vermieden werden kann.

Fragen zum Morbus Perthes

  • Kann der Morbus Perthes auch am anderen Hüftgelenk auftreten? Ja, das ist grundsätzlich möglich. Die Wahrscheinlichkeit für ein beidseitiges Auftreten liegt bei 5 bis 15 Prozent.
  • Ist die Erkrankung erblich? Genetische Studien legen eine erbliche Komponente nahe: bei Verwandten von Perthes-Erkrankten 1. Grades besteht eine 35-mal höhere Wahrscheinlichkeit, dass ein Morbus Perthes auftritt, als bei der Normalbevölkerung
  • Muss bei der Diagnose Morbus Perthes immer eine Operation durchgeführt werden? Nein - die Notwendigkeit einer Operation ist abhängig von der Stellung des Hüftkopfs in Beziehung zur Hüftpfanne. In manchen Fällen kann auch durch eine ausschließlich konservative Behandlung ein gutes Ausheilungsergebnis erzielt werden.

Autoren: PD Dr. med. Bettina Westhoff, Prof. Dr. med. Rüdiger Krauspe

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