Hydrocephalus - Medizinische Experten

Unter einem Hydrocephalus, den man umgangssprachlich auch Wasserkopf nennt, versteht man krankhaft veränderte Liquorräume. So bezeichnet die Neurochirurgie die Hohlräume im Gehirn, in denen die Gehirnflüssigkeit (Liquor) fließt. Früher nannte man die Fehlbildung auch Gehirnwassersucht.

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Was ist ein Hydrocephalus?

Der Hydrocephalus kommt bei Säuglingen und Erwachsenen vor. Er ist meist angeboren, kann aber auch im Laufe des Lebens durch bestimmte Umstände (Gehirnverletzung) entstehen. Manche Erwachsene wissen nicht einmal, dass sie an einem Wasserkopf leiden, da sie demenzähnliche Symptome haben. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber – wenn man sie frühzeitig entdeckt – gut zu therapieren.

Der Hydrocephalus kommt durch einen gestörten Flüssigkeitshaushalt im Kopf zustande: Die Hohlräume im Gehirn (Ventrikel) füllen sich mit übermäßig viel Hirnwasser, vergrößern sich und verdrängen so die feste Gehirnsubstanz. Dadurch kommt es zu einem starken Anstieg des Drucks im Gehirn.

Neugeborene reagieren auf den Druckanstieg anders als Erwachsene, da ihr Schädel noch nicht fertig ausgebildet ist. Die Schädelknochen sind bei ihnen noch nicht zusammengewachsen und sind daher imstande, den im Gehirn vorhandenen übermäßigen Druck durch eine Vergrößerung des Schädels und das Vorwölben der Fontanelle und der Schädelnähte wenigstens zum Teil auszugleichen.

Ein Hydrocephalus lässt sich bereits im Rahmen der pränatalen (vorgeburtlichen) Diagnostik feststellen: Auf den Bildern vom Ungeborenen sind die erweiterten Ventrikel deutlich zu erkennen.

Formen und Ursachen des Hydrocephalus

Der Wasserkopf kommt in verschiedenen Formen vor – je nachdem, wie er beim Patienten entstanden ist. Erblich bedingte Ursachen des Hydrocephalus sind beispielsweise eine Missbildung des Gehirns, Schädelknochenfehlbildungen und eine gestörte Gehirn-Entwicklung. Erworbene Formen des Hydrocephalus entstehen meist durch Unfälle mit Gehirnverletzungen, durch Gehirnblutungen und Gehirnentzündungen.

Der Hydrocephalus occlusus ist mit etwa 60% der Fälle die am häufigsten vorkommende Form des Wasserkopfes. Er entsteht durch Hirntumoren, Gehirnmissbildungen, Entzündungen des Gehirns und Blutgerinnsel. Der Liquor staut sich an einer Engstelle im Gehirn und kann nicht abfließen, sodass der Gehirndruck ansteigt.

Eine typische Engstelle ist der Aquädukt. Er verbindet den dritten und vierten Ventrikel und ist mitunter von Geburt an verengt oder sogar vollständig geschlossen. Außerdem können der mittlere und die beiden seitlichen Ventrikel durch eine erbliche Fehlbildung verengt sein (Dandy-Walker-Syndrom). Der Hydrocephalus occlusus ist in der Regel erworben.

Der Hydrocephalus nonresorptivus kommt nicht so häufig vor (30%). Der verringerte Hirnwasser-Abfluss in den Körper ist in der Regel durch eine Hirnhautentzündung bedingt.

Zu einem Hydrocephalus hypersecretorius (Häufigkeit: zirka 10%) kann es nach einer Kohlenmonoxid- oder Quecksilber-Vergiftung kommen. Auch Gehirnentzündungen gelten als Verursacher dieser Form des Wasserkopfes.

Ein angeborener Hirnschaden (zu wenig Gehirnmasse) führt immer zu einem Hydrocephalus e vacuo. Die Liquorräume sind von Geburt an erweitert und füllen sich dann auch mit dementsprechend mehr Gehirnflüssigkeit.

Symptome und Diagnose des Hydrocephalus

Bei den Symptomen des Wasserkopfes unterscheidet man Säuglinge beziehungsweise Kinder und Erwachsene.

Babys und Kinder mit Hydrocephalus haben

  • einen Ballonschädel (riesigen runden Kopf)
  • gestaute Schädelvenen
  • eine veränderte Augapfel-Stellung (Sonnenuntergangszeichen)
  • Sehstörungen
  • Bewegungsstörungen
  • eine stärkere Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
  • eine geistige Behinderung

Erwachsene mit Hydrocephalus haben

  • starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • epileptische Anfälle
  • Atemstörungen
  • Sehstörungen (Doppelbilder)
  • Gangstörungen mit erhöhtem Risiko, auf den Hinterkopf zu fallen; Laufen mit kleinen Schritten, Schlurfen
  • eine verschlechterte Gedächtnisfunktion
  • eine verringerte Konzentrationsfähigkeit
  • Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma
  • Demenz
  • psychische Veränderungen

Die Diagnose des Hydrocephalus erfolgt mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanz-Tomografie und Computer-Tomografie. Welches von diesen sich am besten eignet, hängt vom Alter des Patienten und der vermuteten Wasserkopf-Ursache ab.

Bei Säuglingen wendet man meist das Ultraschall-Verfahren an, da bei ihnen die Knochen der Schädeldecke noch nicht fest miteinander verwachsen sind.

In der Neurochirurgie der Klinik misst man noch zusätzlich den im Gehirn des Patienten vorhandenen Druck.

Wie wird ein Hydrocephalus behandelt?

Damit man dem Patienten mit Wasserkopf am besten helfen kann, behandelt man ihn kausal (an den Ursachen der Erkrankung orientiert). Eine bewährte Methode ist das Anlegen eines Shunts. Man bohrt ein winziges Loch in die Schädeldecke des Patienten und führt dort einen sehr dünnen Katheter mit Silikonschlauch ein. Er verläuft von dort aus unter der Haut des Patienten und leitet die überschüssige Gehirnflüssigkeit beispielsweise in den Bauchraum, wo der Körper sie abbaut. Ein hinter dem Ohr befindliches Ventil passt sich der jeweiligen Druckstufe im Ventrikel an. Auf diese Weise reduziert man den starken Gehirndruck.

Der Shunt ist von außen nicht sichtbar und kommt sogar bei Säuglingen zum Einsatz. Der Patient erhält im Laufe seines Lebens mehrere Shunts. Babys, die schon frühzeitig einen Shunt eingesetzt bekommen, entwickeln sich in der Folgezeit meist normal. Eine noch bessere Prognose haben sie jedoch, wenn der Mediziner imstande ist, die Ursache ihres Hydrocephalus zu beseitigen.

Ist der dritte Gehirnventrikel betroffen, wendet man die endoskopische Dritt-Ventrikulostomie (ETV) an. Dazu bohrt man ein winziges Loch in die Wand der Hirnkammer. Eine medikamentöse (symptomatische) Behandlung kommt beim Wasserkopf nur kurzzeitig zur Anwendung.

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