Herzklappenfehler - Medizinische Experten

Von einem Herzklappenfehler sprechen Mediziner, wenn eine oder mehrere Herzklappen in ihrer Funktion gestört sind. Herzklappenfehler können angeboren sein. Meist sind aber krankheitsbedingte Gründe oder Lebensumstände ursächlich.

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Herzklappenfehler - Weitere Informationen

Der menschliche Körper verfügt über vier Herzklappen, die wie Ventile wirken. Sie sorgen dafür, dass das Herz pumpt und das Blut in eine Richtung fließt:

  • Aortenklappe: von der linken Herzkammer in die Aorta (Hauptschlagader)
  • Mitralklappe: vom linken Vorhof in die linke Herzkammer
  • Pulmonalklappe: von der rechten Herzkammer zum Lungenkreislauf
  • Trikuspidalklappe: vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer

Sind die Klappen verengt (Stenose) oder schließen nicht richtig, ist der Blutfluss dauerhaft gestört. Das Herz kann die Defizite zwar meist einige Zeit kompensieren, die Belastung führt schlussendlich aber zu einer schweren Erkrankung bis hin zum plötzlichen Herztod.

In Europa wird am häufigsten die Aortenklappenstenose diagnostiziert. Diese tritt zumeist bei über 70-Jährigen aufgrund einer Verkalkung der Aortenklappe (Atherosklerose) auf. Gleich danach kommt der Mitralklappenprolaps, bei dem sich die gleichnamige Klappe während der Kontraktion des Herzens vorwölbt. Die Folge dieser Erkrankung ist die Mitralklappeninsuffizienz.

Ursachen für Herzklappenfehler

Nur ein kleiner Teil der Herzklappenfehler ist angeboren. Zumeist sind krankheitsbedingte Gründe oder Lebensumstände für die Erkrankung verantwortlich. Betroffen ist in vielen Fällen die linke Herzhälfte mit Aorten- und Mitralklappe, Veränderungen der Klappen in der rechten Herzhälfte (Trikuspidal- und Pulmonalklappe) sind seltener.

Die Stenose der Aortenklappe wird oftmals von einer Verkalkung ausgelöst, deren Ursachen im natürlichen Alterungsprozess, in der falschen Ernährung oder in der unzureichenden Bewegung liegen. Die Mitralklappenstenose hingegen ist zumeist die Folge einer lange zurückliegenden Streptokokken-Infektion oder eines rheumatischen Fiebers. Selten kann die Herzklappenstenose auch von einer bakteriellen Entzündung der Herzinnenhaut (bakterielle Endokarditis) kommen.

Die Herzklappeninsuffizienz stammt häufig von einem Herzinfarkt, bei dem der Herzmuskel geschädigt und die Funktion der Klappen geschwächt wird. Zudem kann eine Infektion des Herzmuskels (etwa durch Viren oder Bakterien) zur Vergrößerung des Herzens und damit zur Undichte der Herzklappen führen.

Krankheitszeichen bei Herzklappenfehlern

Patienten mit Herzklappenfehlern bleiben zumeist lange Zeit von Symptomen verschont. Erst wenn das Herz empfindlich geschwächt wird, treten erste Beschwerden auf. Diese unterscheiden sich je nach Fehlfunktion. Typisch für Fehler der linken Herzklappen sind Kurzatmigkeit, Atemnot, Schwindel oder kurze Ohnmachtsanfälle sowie Herzrhythmusstörungen. In den durch den Rückstau gedehnten Herzhöhlen können Blutgerinnsel gebildet werden, die einen Schlaganfall zur Folge haben können. Bei rechtsseitigen Fehlern der Herzklappen sind insbesondere Wasseransammlungen im Bereich der Leber und Knöchel auffällig. Zudem kommt es zu einem raschen Ermüden sowie zu Atemnot bei körperlicher Belastung.

Symptome der Herzklappenstenose

Bei der Aortenklappenstenose ist der Bereich zwischen der linken Herzkammer und der Aorta betroffen. Meist durch Verkalkung kann das Herz nicht genügend Blut durch den Körper pumpen. Der Herzmuskel ist überbelastet und verdickt. Hat sich der Durchfluss auf etwa 25 Prozent der normalen Blutmenge verringert, treten erste Beschwerden auf. Es handelt sich dabei um ein Engegefühl in der Brust, das von Schmerzen begleitet werden kann (Angina pectoris), um Atemnot bei körperlicher Betätigung, um Schwindel oder Ermüdbarkeit.

Die Mitralklappe liegt zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Ist die Klappe verengt, kann das Herz nicht ausreichend pumpen. Die Folge ist ein Rückstau des Blutes bis in die Lunge. Die Symptome der Mitralklappenstenose sind Atemnot bei körperlicher Belastung, aber auch bei flachem Liegen sowie nächtlicher Husten. Besonders auffällig sind die geröteten Wangen und die bläulich schimmernden Lippen. Durch die Überdehnung des linken Vorhofes aufgrund der Stauung sind Herzrhythmusstörungen in Form eines rasenden Herzens oder unregelmäßigen Herzschlages zu erwarten. Später kann es zu bleibendem Vorhofflimmern kommen.

Symptome der Herzklappeninsuffizienz

Wird die Mitralklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer undicht, kommt es zu einem Rückstau des Blutes und einer Dehnung der Herzhöhle. Meist erst nach langer Zeit berichten Patienten von starkem Herzklopfen (bevorzugt in Linksseitenlage). Weitere Symptome sind Atemnot und nächtliche Hustenanfälle, bedingt durch das Blut, das bis in die Lunge zurückstaut.

Die Aortenklappeninsuffizienz ist oft die Folge einer lange zurückliegenden Krankheit, kann aber auch unmittelbar nach der Infektion auftreten. Typische Hinweise sind große Unterschiede zwischen den beiden Blutdruckwerten (etwa 190/50), pulssynchrones Dröhnen im Kopf, Atemnot oder Wasseransammlungen in der Lunge.

Diagnose von Herzklappenfehlern

Beschwerdefreie Herzklappenfehler werden vom Arzt zumeist zufällig beim Abhören oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt. Sind bereits Beschwerden aufgetreten, kann der Mediziner durch die Schilderung der Krankengeschichte auf einen Herzklappenfehler aufmerksam werden. Das Ruhe- und/oder das Belastungs-EKG geben erste Auskünfte über den Zustand des Herzens.

Die endgültige Diagnose liefert schließlich die Echokardiografie. Auf dem Ultraschall ist nicht nur die Art des Herzklappenfehlers zu sehen, die Bilder geben zudem Aufschluss über das Ausmaß. So können bei der Stenose auch der Grad der Verkalkung, der Druckgradient und die Klappenöffnungsfläche definiert werden. Bei der Herzinsuffizienz gibt das Ultraschall Auskunft über den Schweregrad der Undichte und über die Größe und die Funktion der betroffenen Herzkammer. Diese Informationen geben dem Arzt wichtige Hinweise auf den künftigen Behandlungsweg.

Sogar noch genauere Auskünfte gibt eine transösophageale Echokardiografie, umgangssprachlich Schluckecho genannt. Die Ultraschalluntersuchung erfolgt dabei nicht von außen, sondern von innen. Ein dünner Schlauch wird über die Speiseröhre in die Nähe des Herzens vorgeschoben und zeigt klare Bilder der Herzklappen.

Eine wichtige Untersuchung, insbesondere bei einer geplanten Operation, ist die Herzkatheteruntersuchung. Sie gibt Auskunft über den Druck in den Herzkammern, die Förderleistung des Herzens oder die Druckgradienten an den betroffenen Klappen.

Therapie von Herzklappenfehlern

Bei einem Herzklappenfehler wird eine Operation im Rahmen der Herzchirurgie notwendig. Allerdings muss diese nicht immer sofort stattfinden. Sind die Beschwerden nur gering oder gar nicht vorhanden, kann der chirurgische Eingriff möglicherweise aufgeschoben werden. Wichtig sind dabei die regelmäßigen Untersuchungen beim Kardiologen, damit gravierende Verschlechterungen nicht übersehen werden.

Medikamente können einen Herzklappenfehler nicht korrigieren. Zur Linderung der Symptome stehen aber einige Arzneimittel zur Verfügung:

  • Harntreibende Medikamente (Diuretika) gegen Kurzatmigkeit
  • ACE-Hemmer, Betablocker oder AT1-Antagonisten bei Vergrößerung der Herzkammern und bei verminderter Pumpleistung
  • Betablocker zur Verlangsamung der Herzfrequenz
  • Vitamin K-Antagonisten zur Verhinderung von Blutgerinnseln
  • Nitratpräparate bei Angina Pectoris
  • Antibiotika bei Entzündungen der Klappen

Operation eines Herzklappenfehlers

Bleibt ein Herzklappenfehler unbehandelt, so führt er zwangsläufig zu tödlichem Herzversagen. Im Zuge eines chirurgischen Eingriffes kann die Klappe repariert oder durch eine neue ersetzt werden.

Die Rekonstruktion der Herzklappe wird oft bei leichteren Mitralklappenfehlern angewendet. Die Operation kann minimalinvasiv durchgeführt werden, was eine schnellere Genesung zur Folge hat. Ziel der Operation ist es, durch Kalkablösung oder Raffung die beschädigte Klappe wiederherzustellen.

In der Regel muss eine geschädigte Herzklappe aber entfernt und durch eine Prothese ersetzt werden (Herzklappenersatz). Dabei kann es sich um eine mechanische oder eine biologische Herzklappe handeln:

  • Die mechanische Herzklappe wird aus Kunststoff hergestellt und punktet mit einer langen Haltbarkeit, weshalb diese gerne bei jüngeren Patienten eingesetzt wird. Der Nachteil dieser Klappe ist die erhöhte Gefahr der Blutgerinnselbildung. Um diese zu verhindern, werden lebenslang blutgerinnungshemmende Medikamente eingenommen.
  • Die biologische Herzklappe entstammt der Hirnhaut oder des Herzbeutels von Schweinen, Rindern, Kälbern oder Pferden. Anders als die lange haltbaren Kunststoffklappen haben diese nur eine Haltbarkeit von bis zu 15 Jahren, weshalb sie bevorzugt bei älteren Patienten eingesetzt werden. Medikamente zur Blutgerinnung sind nur die ersten Monate nach der Operation notwendig. Anders als bei der mechanischen Herzklappe sind keine Klickgeräusche beim Herzschlag zu hören.

Die Erfolgsaussichten bei einer Herzklappenoperation sind gut. Beim Großteil der Patienten verbessert sich die Lebensqualität nach dem chirurgischen Eingriff deutlich. Dennoch birgt die Operation auch Gefahren. Speziell bei einer schweren Herzinsuffizienz kann es nach dem Eingriff zu Komplikationen kommen. Wundinfektionen, Entzündungen der Herzinnenhaut oder des Herzbeutels, Herzrhythmusstörungen und Blutungen können unmittelbar nach der Operation eintreffen. Später berichten Patienten von Blutgerinnungsstörungen, Herzschwäche oder einer Infektion der Prothesen-Herz-Innenhaut.

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