Magenbypass - Medizinische Experten

Der Magenbypass ist ein operatives Verfahren der Adipositas-Chirurgie. Es wird bei extremem Übergewicht – einer sogenannten Adipositas permagna oder auch morbider Adipositas (BMI über 40) – zur Gewichtsreduktion eingesetzt. Weitere Informationen finden Sie unten.

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Magenbypass - Weitere Informationen

Studien zufolge kann eine Vielzahl der Begleiterkrankungen einer Adipositas durch einen Magenbypass verbessert beziehungsweise verhindert werden. Insbesondere ein Diabetes mellitus kann in über 80 Prozent der Fälle durch einen Magenbypass verbessert werden oder sogar rückläufig sein.

Wann wird eine Magenbypass-Operation durchgeführt?

Drohen bei einer extremen Fettsucht Begleiterkrankungen oder liegen bereits schwerwiegende Beeinträchtigungen des Allgemeinzustands vor, kann eine Bypass-Operation in Frage kommen. Die Wahl des Verfahrens ist dabei immer eine Einzelfallentscheidung und von folgenden Faktoren abhängig:
  • Vorliegen oder Drohen einer schwerwiegenden Begleiterkrankung oder -erscheinung
  • abgeschlossene konservative Therapie: Ein Magenbypass stellt nach Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen die letzte Behandlungsoption (Ultima ratio) dar.
  • Motivation und Mitarbeit durch die betroffene Person: Der Erfolg eines Magenbypasses hängt direkt von der Motivation und der Mitarbeit des Betroffenen ab, weshalb ein begründeter Zweifel hier ein direktes Ausschlusskriterium darstellt.
  • Dauer der Erkrankung: Die Fettsucht muss seit mindestens fünf Jahren bestehen.
  • passendes Alter: Eine Magenbypass-Operation wird in aller Regel zwischen dem 18. und 65. Lebensjahr durchgeführt.

Darüber hinaus wird bei einem schlechten Allgemeinzustand, Vorliegen einer malignen Erkrankung (bösartiger Tumor), einer Suchterkrankung, instabilen psychischen Erkrankung (unter anderem schwere Depressionen), einer unbehandelten Essstörung sowie einer schweren Lebererkrankung in aller Regel von einem Magenbypass abgeraten.

Das Operationsverfahren bei einem Magenbypass

Ein Magenbypass wird als sogenannter Roux-Y-Magenbypass angelegt. Die Operation erfolgt in zwei Schritten. Zunächst wird der Magen verkleinert, indem der Vormagen vom Restmagen getrennt wird. Die betroffene Person kann nur noch kleine Nahrungsmengen aufnehmen, da früher eine Sättigung signalisiert wird. Anschließend wird in einem zweiten Schritt mithilfe einer Dünndarmschlinge eine Kurzschlussverbindung zwischen dem künstlich verkleinerten Magen und dem Dünndarm hergestellt (Bypass). Dadurch wird der Nahrungsbrei am Restmagen und Zwölffingerdarm vorbei direkt in den Dünndarmschenkel geführt. Anschließend wird eine zweite Verbindung zum Dünndarm hergestellt, über welche die die Nahrungssäfte mit dem Nahrungsbrei vermengt werden. Durch die Verkürzung der Darmabschnitte können insgesamt weniger Nährstoffe von der Darmschleimhaut aufgenommen werden.

Nach dem Eingriff

Nach dem Eingriff ist eine intensive Überwachung erforderlich, weshalb der Patient zunächst auf einer Wachstation kontrolliert wird. Bereits am ersten Tag nach dem Eingriff wird der Patient mobilisiert, um Lungenentzündungen und die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel zu verhindern. Unterstützend wird täglich ein blutverdünnendes Medikament (Heparin) gespritzt. Am zweiten Tag nach der Operation wird zum Nachweis möglicher Schwachstellen oder Verengungen eine Röntgenuntersuchung mit Gastrographinschluck (Schluck von Kontrastmittel) durchgeführt. Liegen keine Komplikationen oder medizinischen Bedenken vor, kann der operierte Patient nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Risiken und Komplikationen einer Magenbypass-Operation

Ein Magenbypass ist ein umfassender Eingriff und geht vor allem aufgrund des Übergewichts und der Begleiterkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen einher. Um das individuelle Risiko einschätzen zu können, wird daher im Vorfeld der Operation ein ausführliches Screening durchgeführt. Dennoch kann es wie bei jedem Eingriff im Bauchraum zu Komplikationen wie Verwachsungen in der Bauchhöhle, Infektionen, zur Bildung von Blutgerinnseln oder Blutungen und Nachblutungen kommen. Risiken, die spezifisch mit einer Magenbypass-Operation einhergehen sind:

  • Die Nähte halten nicht
  • Engstellen
  • Verletzungen benachbarter Strukturen wie Speiseröhre, Leber, Milz oder Magen
  • Allergische Reaktionen
  • Magendurchbruch
  • Mangelhafte Verbindung zwischen den operierten Organanteilen
Aus der operativen Ausschaltung von Restmagen, Zwölffingerdarm sowie der oberen Dünndarmanteile resultiert zudem das Risiko eines sogenannten Frühdumpingsyndroms. Bei einem Frühdumpingsyndrom gelangt der Nahrungsbrei zu schnell aus dem Magen in den Dünndarm. Es kommt zu einer Art Sturzentleerung des unverdauten und osmotisch wirksamen Breis in den Dünndarm, wo dieser zu einem Flüssigkeitsverlust führt, da Flüssigkeit aus dem umliegenden Darmgewebe strömt. Dies führt zu einem sogenannten Volumenmangel, der sich anhand von Übelkeit und Erbrechen, Schwitzen, Blutdruckabfall, Herzrasen sowie Völlegefühl äußert. In ausgeprägten Fällen kann ein Frühdumpingsyndrom zu einem Volumenmangelschock führen. Dieser erfordert eine intensivmedizinische Versorgung. Daneben können durch eine Magenbypass-Operation langfristig folgende Komplikationen auftreten:
  • Alkoholintoleranz
  • Gallensteine
  • Entzündung des Bauchfells
  • Mangelsyndrome wie Eisen- und Vitamin-B12-Mangel

Langsamer Kostaufbau nach der Magenbypass-Operation

In den ersten 48 Stunden nach der Magenbypass-Operation darf die betroffene Person lediglich etwas kohlensäurefreies Wasser oder andere klare Flüssigkeiten zu sich nehmen, damit die Nähte ausheilen können. Anschließend findet über mehrere Wochen ein langsamer und schonender Kostaufbau in vier Phasen statt:
  • Erste Phase (in den ersten zwei Wochen) mit fettarmer Milch und Milchprodukten, Joghurt oder feinen Gemüsesuppen.
  • Zweite Phase (anschließenden zwei bis drei Wochen) mit pürierten Speisen mit niedrigem Fett- und Zuckergehalt.
  • Dritte Phase (bei guter Verträglichkeit von Phase 2) mit eiweißreicher Nahrung bei geringen Zucker- und Fettmengen.
  • Vierte Phase (bei guter Verträglichkeit von Phase 3) mit hauptsächlich eiweißreicher Nahrung unter Vermeidung von zucker- und fettreichen Nahrungsmitteln mit schrittweisen Übergang von weicher zu fester Nahrung.

Dies geschieht betreut im Rahmen einer ambulanten oder stationären Rehabilitation, bei welcher die Betroffenen zudem lernen, ihre Nahrung so umzustellen, dass keine Mangelerscheinungen auftreten. Durch den Magenbypass wird gezielt eine reduzierte Aufnahme von Fetten und Kohlenhydraten herbeigeführt. Da die angestrebte Minderaufnahme nicht selektiv ist, kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Um diese zu vermeiden, müssen die Betroffenen ausreichend Eiweiße aufnehmen.

Zudem muss der sogenannte Intrinsic Factor, der zur Aufnahme von Vitamin B12 erforderlich ist und von der Magenschleimhaut gebildet wird, lebenslang zugeführt werden. Auch Eisen, Vitamin B12 und Folsäure sollten nach der Operation regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls ergänzend zugeführt werden. Infolge des ausgeprägten Gewichtsverlustes innerhalb kurzer Zeit kann sich die Haut nicht schnell genug zurückbilden. Es kommt unter anderem zu einer sogenannten Bauchschürze und Hängebrüsten. In vielen Fällen werden diese im Rahmen plastischer Eingriffe korrigiert.

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