Vaskulitis - Medizinische Experten

Als Vaskulitis bezeichnet der Mediziner eine Entzündung der Blutgefäß-Innenwände, die auch auf Organe übergreifen kann. Die Vaskulitis ist eine Gefäßentzündung mit vielen Erscheinungsformen. Sie tritt oft als Folge einer überstarken Reaktion des Immunsystems auf.

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Was ist eine Vaskulitis?

Unter dem medizinischen Oberbegriff Vaskulitiden fasst man diverse Krankheitsbilder zusammen, die unterschiedliche Ursachen und Verläufe haben. Man unterscheidet dabei primäre und sekundäre Vaskulitiden. Eine primäre Vaskulitis ist eine eigenständig auftretende Gefäßerkrankung. Sekundäre Vaskulitiden entstehen im Rahmen bestimmter Grunderkrankungen oder als Nebenwirkungen von Medikamenten und bestimmten Stoffen.

Gefäßentzündungen können kleine (Kapillaren), mittelgroße (Arteriolen, Venolen) und große Blutgefäße (Arterien, Venen) betreffen. Zuerst schwellen die entzündeten Gefäße an, sodass die Versorgung der Organe mit Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen immer schwieriger wird.

Außerdem treten mitunter Aneurysmen auf. Das sind sackartige Ausstülpungen der Gefäßwände, die unter bestimmten Umständen platzen und starke Blutungen auslösen können. Stärkere Entzündungen bilden manchmal knotige Strukturen entlang der Gefäße unter der Haut (Granulome). Sind Kapillaren von der Vaskulitis betroffen, kommt es zur Schädigung des jeweiligen Organs.

Vaskulitis-Formen

Sind große Gefäße durch die Vaskulitis beeinträchtigt, leidet der Patient entweder an einer Takayasu-Arteriitis oder einer Riesenzell-Arteriitis. Zur Schädigung von Blutgefäßen mittleren Durchmessers kommt es beim Kawasaki-Syndrom. Eine entzündliche Erkrankung kleinerer und eventuell mittelgroßer Gefäße nennt man Morbus Wegener oder Wegener'sche Granulomatose. Beschränkt sich die Gefäßerkrankung nicht auf Gefäße einer bestimmten Größe, handelt es sich um einen Morbus Behcet oder das Cogan-Syndrom.

Die Riesenzell-Arteriitis (Arteriitis cranialis) kommt von allen Vaskulitiden am häufigsten vor. Bei ihr sind hauptsächlich die Schläfen-Arterien betroffen. Patienten mit dieser Erkrankung sind meist älter und leiden noch zusätzlich an einer Polymyalgie (rheumatischer Erkrankung mit starken Muskelschmerzen). Sind die Hauptschlagader (Aorta) und die von ihr ausgehenden Hauptäste entzündet, spricht man von einer Takayasu-Arteriitis.

Eine anatomische Besonderheit weist die Wegener'sche Granulomatose auf: Die entzündeten Gefäße - meist Nieren und Lungen-Arteriolen - zeigen grobknotige Veränderungen. Man findet sie im Anfangsstadium nur in den Atemwegsorganen. Im weiteren Krankheitsverlauf breitet sich die Granulomatose auch auf andere Organe aus.

Vom Kawasaki-Syndrom sind überwiegend kleine Kinder unter 5 Jahren betroffen. Der Morbus Behcet ist besonders in der Türkei und in Japan stark verbreitet. Die Entzündung kann - wenn sie auf Lunge, Herz oder Zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) übergreift - für die Erkrankten sogar lebensbedrohlich werden.

Sekundäre Vaskulitiden beeinträchtigen in der Regel nur kleine Blutgefäße. Zu den durch bestimmte Arzneimittel verursachten Gefäßentzündungen gehört beispielsweise die Vaskulitis allergica. Auslöser sind bei ihr Mittel gegen Allergien und Asthma-Sprays.

Ursachen der Vaskulitis

Die primäre Vaskulitis kommt durch eine unangemessen starke Reaktion des menschlichen Abwehrsystems auf körpereigene Stoffe zustande (Autoimmun-Reaktion). Sie schädigt zuerst die Innenwände der betroffenen Blutgefäße. In der Folgezeit greifen die entzündlichen Prozesse auch auf die in der Nähe befindlichen Organe über.

Was genau zu der Gefäß-Entzündung führt, ist bislang noch unklar. Die medizinische Forschung vermutet eine Kombination von erblicher Veranlagung und äußeren Faktoren wie beispielsweise einer Infektion mit Staphylococcus aureus-Bakterien als Auslöser.

Sekundäre Vaskulitiden haben

  • Infektionskrankheiten (HIV/AIDS, Hepatitis)
  • Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Bindegewebsentzündungen)
  • Krebs
  • bestimmte Medikamente

als Ursache. So können beispielsweise die Nebenwirkungen von manchen Antibiotika eine Vaskulitis auslösen.

Symptome und Diagnostik der Vaskulitis

Die einzelnen Vaskulitiden unterscheiden sich in Bezug auf die bei den Patienten auftretenden speziellen Symptome.

Allgemeine Anzeichen aller Gefäßentzündungen sind jedoch

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Erschöpfung
  • Leistungsabfall
  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • nächtliches Schwitzen

Je nach Form und Schweregrad kommen dann noch spezifische Symptome hinzu. Das können

  • offene Hautstellen
  • fleckige Hautrötungen
  • Gefäßverschluss
  • Sehstörungen und gerötete Augen bei einer Augen Vaskulitis
  • Nervenschmerzen
  • Lähmungen

sein.

Patienten mit einer Vaskulitis sollten sich unbedingt schnellstmöglich von einem Facharzt für Gefäßerkrankungen (Angiologen oder Phlebologen) durchchecken lassen. Hat der Mediziner den Verdacht, dass der Patient an einer Vaskulitis leidet, nimmt er ihm Blut ab und lässt es im Labor auf ANCA Antikörper und erhöhte Entzündungswerte untersuchen. Eine Röntgen-Aufnahme der betreffenden Organe oder eine Angiografie (Röntgen der Blutgefäße) liefert weitere Anhaltspunkte. Auch die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) aus der Haut, den Nieren oder der Schläfen-Arterie kann bei der Vaskulitis-Diagnostik hilfreich sein.

Behandlung der Vaskulitis

Heutzutage sprechen Patienten mit dieser Erkrankung gut auf eine Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten an. Sie hemmen die überschießende Immunreaktion und damit das Fortschreiten der Erkrankung im Körper.

Außerdem kommen in der Vaskulitis-Therapie noch spezielle Medikamente zum Einsatz, die die jeweilige Vaskulitis-Form behandeln. Der Mediziner verordnet sie in den ersten sechs Monaten in höherer Dosis und danach geringer dosiert. Bei schweren Verläufen setzt man meist entzündungshemmende Kortison-Präparate oder das Immunsuppressivum Cyclophosphamid ein.

Auch wenn die Gefäßentzündung im Normalfall nicht heilbar ist, können die von ihr Betroffenen ein weitgehend beschwerdefreies Leben führen. Mitunter kommt es jedoch auch zu Rückfällen. Sie sollten rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Eine generell schlechtere Prognose haben allerdings schwere Fälle von Morbus Wegener.

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