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Als Trigeminusneuralgie bezeichnet man eine Erkrankung, bei der der 5. Hirnnerv (Nervus trigeminus) Beschwerden mit extremen, kurzzeitigen Schmerzanfällen verursacht. Die extrem starken Schmerzen entstehen an einer Stelle der drei Nerven-Äste im Gesicht. Der Trigeminusnerv besteht aus einem Stirn-, Oberkiefer- und Unterkiefer-Ast. Sie gehen von einer Wurzel aus, die sich etwas vor und leicht unterhalb des Ohres innerhalb des Schädels befindet.

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Trigeminusneuralgie - Weitere Informationen

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Der Nervus trigeminus übermittelt Sinnesreize an das Gehirn, die auf der Gesichtshaut eintreffen. Eine weitere Aufgabe des Nervs ist die Steuerung der Kau- und Schläfenmuskeln. Irritiert, reizt oder schädigt man den Nervus trigeminus an irgendeiner Stelle, kommt es zu starken Schmerzen. Das geschieht beispielsweise, indem ein in seiner Nähe befindliches Blutgefäß auf den Hirnnerv Druck ausübt oder eine der Nervenverästelungen infolge einer Gesichtsverletzung eingeklemmt ist.

Die damit einhergehenden Beschwerden sind oft so intensiv, dass sie den Patienten in seinem Tagesablauf stark beeinträchtigen. Der Verlauf des Gesichtsschmerzes ist nicht im Voraus einschätzbar: Manche Patienten sind Wochen und Monate beschwerdefrei, andere wiederum klagen darüber, dass sich die Schmerzattacken im weiteren Krankheitsverlauf häufen.

Die Wahrscheinlichkeit, an der sehr schmerzhaften Neuralgie zu erkranken, erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Dennoch tritt diese Form des Gesichtsschmerzes verhältnismäßig selten auf: Pro Jahr erleiden etwa 4 von 100.000 Personen eine Trigeminusneuralgie.

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Von Henry Vandyke Carter - Henry Gray (1918) Anatomy of the Human Body (See "Buch" section below) Bartleby.com: Gray's Anatomy, Tafel 778, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=526568

Welche Symptome treten bei einer Trigeminusneuralgie auf?

Die Trigeminusneuralgie tritt in Anfällen auf: Es kommt zu plötzlichen, sehr starken und stechenden Schmerzen, die oft auf eine Gesichtshälfte beschränkt sind. Der Anfall ist nach einigen Sekunden bis höchstens zwei Minuten wieder vorbei. Sogar die Zähne und die Nasolabialfalten - so nennt man die Falten, die von der Nase zum Mund verlaufen - können davon betroffen sein.

Der Anfall tritt schlimmstenfalls an demselben Tag noch mehrmals auf. Die Zeit zwischen den Attacken des Gesichtsschmerzes verläuft bei den meisten Patienten ohne Beschwerden. Manche klagen jedoch über einen Dauerschmerz im Gesichtsbereich. Die Schmerzen gehen manchmal auch mit reflexartigen Muskelkrämpfen in der betroffenen Gesichtshälfte einher. Daher bezeichnet man die belastende Erkrankung auch als Tic douloureux.

Da die Schmerzattacken sehr heftig und seelisch belastend sind, leiden viele Patienten noch zusätzlich an Depressionen. Aus Furcht vor dem nächsten Anfall verzichten viele von ihnen sogar auf tägliche Mahlzeiten und verlieren an Gewicht. Betroffene mit dieser Symptomatik wenden sich am besten sofort an ihren behandelnden Arzt.

Was sind die Ursachen einer Trigeminusneuralgie?

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) unterscheidet bei der sehr seltenen Erkrankung zwischen der klassischen und der symptomatischen Trigeminusneuralgie. Die genaue Ursache der klassischen Form konnte bisher medizinisch noch nicht geklärt werden.

Als Auslöser kommen beispielsweise ein einfacher Luftzug, die Kaubewegung, Sprechen, Zähneputzen oder psychischer Stress infrage. Die symptomatische Trigeminusneuralgie tritt - wie man an der Bezeichnung schon erkennen kann - als Symptom einer Grunderkrankung auf. Das ist beispielsweise:

Bei dem symptomatischen Gesichtsschmerz haben die Patienten keine schmerzfreien Episoden und nur beidseitig auftretende Beschwerden. Der Neurologe (Facharzt für Nervenheilkunde) untersucht die Patienten genauer, da er davon ausgeht, dass sie an einer Trigeminus-Neuropathie leiden. Sie basiert auf einer Schädigung der Nerven.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie diagnostiziert?

Die Diagnose stellt der Hausarzt, da der Patient meist ihn als erstes konsultiert. Der Neurologe untersucht den Kranken dann auf eine eventuell vorhandene Grunderkrankung. Er lässt bei ihm eine Computer-Tomografie (CT) oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) machen. Diese bildgebenden Verfahren dienen der Feststellung auffälliger Befunde wie beispielsweise eines Hirntumors.

Verdächtigt er eine multiple Sklerose als Verursacher des stechenden Gesichtsschmerzes, macht er eine Lumbalpunktion: Er entnimmt ein geringe Menge Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal und lässt sie im Labor untersuchen. Außerdem führt er zur Abklärung anderer Verdachtsdiagnosen Bluttests durch.

Mithilfe der Kernspin-Angiografie - einer Untersuchung der Blutgefäße mithilfe einer anderen bildgebenden Technologie - kann der Facharzt missgebildete Blutgefäße sichtbar machen. Ist ein operativer Eingriff notwendig, erkennt der Neurochirurg auf den Bildern den genauen Verlauf der Blutgefäße im Operationsgebiet.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie behandelt?

Hat der Patient keine Grunderkrankung, die sich in Form von starken Gesichtsschmerzen zeigt, hat er die Möglichkeit, Medikamente einzunehmen. Sie sind keine Analgetika, da der Nervus trigeminus nicht auf schmerzhemmende Mittel anspricht. Sie wirken frühestens 30 Minuten nach der Einnahme. Dann ist die Schmerz-Attacke schon vorüber. Daher behandelt man die Erkrankung mit Medikamenten gegen Epilepsie. Sie blockieren schon im Vorfeld die Reizleitung der Nerven.

Der Facharzt verschreibt oft Medikamente mit dem Wirkstoff Carbamazepin. Der Patient nimmt sie in immer höherer Dosis, bis eine Linderung eintritt. Alternativ kommen Oxcarbazepin und Baclofen zum Einsatz. Dadurch wird die Übererregbarkeit des fünften Hirnnervs verringert. Sind die Schmerzen zu stark, muss der Kranke beide Mittel gleichzeitig einnehmen. Im Krankenhaus verabreicht man bei der Therapie das Epilepsie-Medikament Phenytoin.

Ein operativer Eingriff ist bei der Erkrankung nur dann Mittel der Wahl, wenn die Arzneimittel nicht wirksam sind, zu starke Nebenwirkungen haben oder beim Patienten beispielsweise ein Tumor vorhanden ist. Der Neurochirurg wendet dann eines von drei Operationsverfahren an.

Er blockiert die Aktivität der Nervenknoten mittels Strahlenchirurgie, indem er eine hohe Dosis Strahlen präzise auf das Operationsgebiet richtet (Cyberknife-Verfahren). Die Strahlen zerstören die Nervenfasern nahe dem Hirnstamm. Die meisten Patienten sind schon einen Tag nach der Behandlung beschwerdefrei. In manchen Fällen dauert es allerdings zwei Wochen bis maximal zwei Monate, bis der Kranke von seinem Gesichtsschmerz befreit ist.

Außerdem kann er die Thermokoagulation anwenden. Bei dieser Methode zerstört extreme Hitze die Nervenfasern. Drückt ein Gefäß auf den Nervus trigeminus, befreit er den Nerv von dem Druck, indem er ein Schwämmchen zwischen Blutgefäß und Nerv einsetzt.

Bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie, von der überwiegend jüngere Personen betroffen sind, richtet sich die Behandlung nach der verursachenden Erkrankung. Kommt es infolge der intensiven Schmerzen zu Depressionen, benötigen die Kranken noch zusätzlich psychologische Hilfe.

Obwohl die heutigen operativen Methoden ausgereift sind, bei dem chirurgischen Eingriff Hochleistungstechnologie zum Einsatz kommt und die Neurochirurgen hochqualifiziert und erfahren sind, können operative Eingriffe am Trigeminus-Nerv bleibende gesundheitliche Schäden hinterlassen. Dazu gehören beispielsweise Hörprobleme oder Sensibilitätsstörungen im Gesicht (Taubheitsgefühle der Gesichtshaut). Auch das Auftreten von Sehstörungen ist möglich. Außerdem kann es trotz Operation grundsätzlich immer wieder zu Rückfällen kommen.

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