Hydrocephalus - Medizinische Experten

Gehirn und Rückenmark werden von einer Flüssigkeit, dem so genannten Liquor, umhüllt und durchspült. Dieses Flüssigkeitsbett schützt Gehirn und Rückenmark vor Erschütterungen und Stößen, hat aber auch ernährende, infektabwehrende und reinigende Funktionen. Bei einem Hydrozephalus ist es zu einem Liquorstau - einer Zirkulationsstörung des Liquors - gekommen. Im Volksmund wird dies auch ‚Wasserkopf’ genannt.

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Was ist ein Hydrocephalus?

Der Hydrocephalus kommt bei Säuglingen und Erwachsenen vor. Er ist meist angeboren, kann aber auch im Laufe des Lebens durch bestimmte Umstände (z.B. Infektionen, Hirntumore) entstehen. Bei manchen Erwachsene kann sich ein Hydrozephalus zunächst einzig in demenzähnlichen Symptome zeigen.

Der Hydrocephalus kommt durch einen gestörten Flüssigkeitshaushalt im Kopf zustande: Die Hohlräume im Gehirn (Ventrikel) füllen sich mit übermäßig viel Hirnwasser, vergrößern sich und verdrängen so die feste Gehirnsubstanz. Dadurch kommt es zu einem starken Anstieg des Drucks im Gehirn.

Säuglinge reagieren auf den Druckanstieg anders als Erwachsene, da ihr Schädel noch nicht fertig ausgebildet ist. Die Schädelknochen sind bei ihnen noch nicht zusammengewachsen und sind daher imstande, den im Gehirn vorhandenen übermäßigen Druck durch eine Vergrößerung des Schädels und das Vorwölben der Fontanelle und der Schädelnähte wenigstens zum Teil auszugleichen.

Hydrocephalus CDC.png
von CDC - http://www.nj.gov/health/fhs/sch/documents/facts_ccns.pdf, Public Domain, Link

Ein Hydrocephalus lässt sich bereits im Rahmen der pränatalen (vorgeburtlichen) Diagnostik feststellen: Auf den Bildern vom Ungeborenen sind die erweiterten Ventrikel deutlich zu erkennen.

Formen und Ursachen des Hydrocephalus

Ein Hydrozephalus kommt in verschiedenen Formen vor – je nachdem, wie er beim Patienten entstanden ist. Erblich bedingte Ursachen des Hydrocephalus sind beispielsweise eine Missbildung des Gehirns, Schädelknochenfehlbildungen und eine gestörte Gehirn-Entwicklung. Erworbene Formen des Hydrocephalus entstehen meist durch Gehirnblutungen und Gehirnentzündungen, sowie Unfälle mit Gehirnverletzungen.

Der Hydrocephalus occlusus ist mit etwa 60 Prozent der Fälle die am häufigsten vorkommende Form des Wasserkopfes. Er entsteht durch Hirntumoren, Gehirnmissbildungen, Entzündungen des Gehirns und Blutgerinnsel. Der Liquor staut sich an einer Engstelle im Gehirn und kann nicht abfließen, sodass der Gehirndruck ansteigt. Eine typische Engstelle ist der Aquädukt. Er verbindet den dritten und vierten Ventrikel und ist mitunter von Geburt an verengt oder sogar vollständig geschlossen.

Der Hydrocephalus nonresorptivus kommt nicht so häufig vor (30 Prozent). In diesem Fall kommt es, meist in Folge einer Hirnhautentzündung, zu einer verringerten Resorption, d.h. einem verringerten Abfluss von Hirnwasser.

Zu einem Hydrocephalus hypersecretorius (Häufigkeit: zirka 10 Prozent) kann es nach einer Kohlenmonoxid- oder Quecksilber-Vergiftung kommen. Auch Gehirnentzündungen gelten als Verursacher dieser Form des Wasserkopfes.

Eine angeborene schwere Hirnfehlbildung (zu wenig Gehirnmasse) führt zu einem Hydrocephalus e vacuo. Sowohl die äußeren als auch die inneren Liquorräume sind von Geburt an erweitert und füllen sich dann auch mit dementsprechend mehr Gehirnflüssigkeit.

Symptome und Diagnose des Hydrocephalus

Bei den Symptomen eines Hydrozephalus (erhöhter Hirndruck) unterscheidet man Säuglinge beziehungsweise Kinder und Erwachsene.

Säuglinge und Kleinkinder:

  • gesteigertes Kopfwachstum (perzentilenschneidend)
  • ungewöhnlich großer Kopf (Makrozephalus)
  • vorgewölbte Fontanelle
  • prominente (gestaute) Schädelvenen
  • eine veränderte Augapfel-Stellung, bei der ein weißer Streifen der Sklera über der Hornhaut sichtbar wird (Sonnenuntergangszeichen)
  • Nüchternerbrechen
  • Balkonstirn (großer Kopf mit prominenter Stirn)

Kinder/Jugendliche und Erwachsene:

  • starke Kopfschmerzen
  • Nüchternerbrechen
  • Sehstörungen (Doppelbilder)
  • Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma
  • Gangstörungen
  • eine verschlechterte Gedächtnisfunktion
  • eine verringerte Konzentrationsfähigkeit

Bei älteren Erwachsenen zusätzlich:

  • Demenz
  • psychische Veränderungen
  • Inkontinenz

Die Diagnose des Hydrocephalus erfolgt mithilfe bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanz-Tomografie (MRT) und Computer-Tomografie (CT). Welches von diesen sich am besten eignet, hängt vom Alter des Patienten und den Untersuchungsumständen ab. Bei Säuglingen wendet man meist initial das Ultraschall-Verfahren an, da bei ihnen die Knochen der Schädeldecke noch nicht fest miteinander verwachsen sind und so eine zufriedenstellende Bildqualität des Ultraschalls ermöglichen.

MBq Hydrocephalus.jpg
links CT eines Hydrocephalus internus; rechts zum Vergleich ein normales Gehirn; von MBq - de.wikipedia, uploaded by MBq (selbsterstellt, Public domain --MBq 11:42, 31. Mai 2005 (CEST)), Gemeinfrei, Link

In Einzelfällen erfolgt in der Neurochirurgie, Neurologie oder Neuropädiatrie der Klinik noch zusätzlich eine Messung des im Gehirn des Patienten vorhandenen Drucks.

Wie wird ein Hydrocephalus behandelt?

Die Behandlung eines Hydrozephalus erfolgt operativ in der Neurochirurgie einer Klinik. Eine bewährte Methode ist das Anlegen eines Shunts. Man bohrt ein winziges Loch in die Schädeldecke des Patienten und führt dort einen sehr dünnen Katheter mit Silikonschlauch ein. Er verläuft von dort aus unter der Haut des Patienten und leitet die überschüssige Gehirnflüssigkeit beispielsweise in den Bauchraum, wo der Körper sie abbaut (ventrikulo-peritonealer Shunt/VP-Shunt). Ein hinter dem Ohr befindliches Ventil passt sich der jeweiligen Druckstufe im Ventrikel an. Auf diese Weise reduziert man den starken Gehirndruck.

Der Shunt ist von außen kaum sichtbar und kommt auch bei Säuglingen zum Einsatz. Säuglinge und Kinder, die schon frühzeitig einen Shunt eingesetzt bekommen, können sich - abhängig von der Grunderkrankung- in der Folgezeit ganz normal entwickeln. Eine noch bessere Prognose haben sie jedoch, wenn der Mediziner imstande ist, die Ursache ihres Hydrocephalus zu beseitigen.

Ist der dritte Gehirnventrikel betroffen (z.B. Aquäduktstenose), kann eine endoskopische Ventrikulostomie (ETV) angewendet werden. Dazu bohrt man ein winziges Loch in die Wand der Hirnkammer.

Eine medikamentöse (symptomatische) Behandlung kommt beim Hydrozephalus höchstens kurzzeitig zur Anwendung.

Für alle Patienten mit einem Hydrozephalus sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um das Auftreten neuer Engestellen oder eine Dysfunktion des Shuntsystems frühzeitig entdecken und behandeln zu können.


Dieser Text wurde überprüft von unserer Expertin Dr. med. Cornelia Bußmann

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