Durchblutungsstörung - Medizinische Experten

Eine Durchblutungsstörung liegt dann vor, wenn das Blut ein Blutgefäß nur ungenügend durchströmt. Die beeinträchtigten Körperregionen erhalten dann nicht mehr genügend Sauerstoff und Vitalstoffe. Das Stoffwechselendprodukt Kohlendioxid verlässt den Körper nur mit zeitlicher Verzögerung.

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Durchblutungsstörung - Weitere Informationen

Am häufigsten kommt es in den Extremitäten (Armen, Beinen) zu mangelhafter Durchblutung. Auch Finger und Zehen können von Durchblutungsstörungen betroffen sein. Sie funktionieren dann nicht mehr richtig und sterben im Extremfall sogar ab. Mitunter sind auch Herz, Darm und Gehirn unterversorgt.

Mediziner unterscheiden zwischen akuten und chronischen Durchblutungsstörungen. Tritt die Erkrankung plötzlich auf (akute Durchblutungsstörung), ist eine notärztliche Versorgung erforderlich. Aber auch chronische Gefäßverengungen verursachen dem Patienten starke Beschwerden. Die beeinträchtigten Körperregionen reagieren verschieden: Leber und Nieren sind imstande, längere Zeit ohne Sauerstoff zu funktionieren als beispielsweise Gehirnzellen.

Ursachen und Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen

Ursache der unzureichenden Durchblutung sind oft Verengungen einzelner Gefäße oder eine vollständige Gefäßverstopfung (arterieller Verschluss). Das ist bei vielen Patienten mit Arteriosklerose (Arterienverkalkung) der Fall. Die Innenwände der Arterien (Blutgefäße, die vom Herzen aus den Körper versorgen) sind von Cholesterin-Ablagerungen (Plaques) bedeckt. Sie wachsen im Laufe der Jahre an und können zum Gefäßverschluss führen. Je nachdem, wo er auftritt, kommt es dann zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Besonders häufig lagern sich die Beläge dort an, wo die Gefäßwände winzige Verletzungen haben.

Bei der arteriellen Verschlusskrankheit sind entweder periphere oder zentrale Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen. Periphere Gefäße befinden sich beispielsweise in den Extremitäten. Sind sie nur schlecht durchblutet, kommt es an mehreren Stellen zugleich zur Durchblutungsstörung (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Zentrale Arterien haben meist nur eine einzige Stelle, die nicht ausreichend Blut erhält.

Löst sich ein Stückchen Plaque ab (Blutpfropf), wandert es durch die Blutbahn. Es kommt zum Gefäßverschluss (Embolie). Bei der chronischen arteriellen Durchblutungsstörung bilden die sich langsam verschließenden Arterien oft zusätzliche Blutgefäße aus, über die die verstopfte Stelle dann ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Venenentzündungen lösen nur selten Durchblutungsstörungen aus. Venen sind die zum Herzen führenden Blutgefäße.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • zu hoher Cholesterinspiegel
  • Zuckerkrankheit
  • Fehlernährung (zu viel Fett, Fleisch)
  • zu wenig körperliche Bewegung
  • höheres Lebensalter
  • erbliche Veranlagung

Welche Symptome treten bei einer Durchblutungsstörung auf?

Ein akuter Gefäßverschluss an den Extremitäten verursacht kalte Füße oder Hände, Taubheitsgefühle, Schmerzen und eine weiß marmorierte Haut. An den beeinträchtigten Stellen ist kein Puls vorhanden. Eventuelle Wunden heilen nicht mehr ab. Sind innere Organe wie der Darm betroffen, kommt es zum Darm-Infarkt mit sehr starken Bauchschmerzen. Im Extremfall ist eine Darmlähmung unvermeidbar.

Leidet der Patient an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, sind meist die Beine schlecht durchblutet. Da die Muskeln unterversorgt sind, hat er Schmerzen und muss in gewissen Abständen stehenbleiben ("Schaufensterkrankheit"). In einem späteren Stadium der Verschlusskrankheit sind starke Gewebeschäden bis hin zum Raucherbein die Folge.

Ist das Herz von chronischer Durchblutungsstörung betroffen, entwickelt der Patient eine koronare Herzkrankheit (KHK). Sie zeigt sich in Form von mehr oder weniger starken Herzschmerzen und im schlimmsten Fall als Herzinfarkt.

Beim Raynaud-Syndrom, einer ungefährlichen Durchblutungsstörung, sind Zehen und Finger kurzfristig ungenügend durchblutet. Sie färben sich zuerst weiß und dann bläulich - was völlig schmerzlos geschieht.

Raynaud-Syndrom
Raynaud-Syndrom

Von Venenentzündungen sind nur die Beine betroffen. Sie werden dick, fühlen sich heiß an und sind druckempfindlich. An den betroffenen Stellen treten Hautrötungen auf. Die mit Venenentzündungen verbundenen Schmerzen lassen sich durch Hochlagerung der Beine lindern. Im Gegensatz zu arteriellen Durchblutungsstörungen ist bei ihnen der Puls in den Beinen noch spürbar.

Auch chronische Durchblutungsstörungen gehören in die Hände eines erfahrenen Mediziners. Stellen Sie eines oder mehrere der aufgeführten Symptome bei sich fest, sollten Sie baldmöglichst einen Facharzt für Angiologie (Spezialist für Gefäßerkrankungen) aufsuchen.

Diagnose von Durchblutungsstörungen

Nach Beendigung der Voruntersuchungen überprüft der Facharzt seine Verdachtsdiagnose mithilfe verschiedener Methoden. Die Blutuntersuchung gibt Auskunft darüber, wie hoch der Blutfett- und Blutzuckerspiegel sind und dient der Bestimmung der Gerinnungsfaktoren. So erkennt er, welche Risikofaktoren beim Patienten maßgebend sind.

Ergibt die Messung des Blutdrucks bei beiden Armen unterschiedliche Werte, liegt eine einseitige Verengung der Gefäße vor. Ein Doppler-Index von weniger als 0,9 deutet auf eine Durchblutungsstörung im Bein hin. Um ihn zu ermitteln, teilt man den am Knöchel des Patienten festgestellten Blutdruck-Wert durch den Wert am Oberarm.

Ein spezielles Ultraschallgerät bestimmt die Strömungsgeschwindigkeit und Richtung des Blutes innerhalb der Arterien. Um eine Provokationsmessung durchführen zu können, verursacht der Arzt beim Kranken eine Belastungsreaktion. Er lässt ihn beispielsweise in einem bestimmten Tempo laufen. Kommt er ohne Beschwerden nicht weit, leidet er an gestörter Durchblutung.

Ein Röntgenbild macht man, wenn man für die Gefäßchirurgie Daten darüber benötigt, wo sich die verengte Stelle befindet. Zuvor spritzt der Arzt dem Patienten ein Kontrastmittel in die betroffene Arterie. Es macht die Verengung besser sichtbar.

Mitunter macht man auch eine Kernspintomografie (MRT). Bei dieser ungefährlichen Untersuchung stellt das Gerät - eine Art Röhre - vom darin liegenden Kranken diverse Bilder her, auf denen die Durchblutungsstörung gut zu erkennen ist.

Behandlung von Durchblutungsstörungen

Die Behandlung der gestörten Durchblutung erfolgt symptomatisch (entsprechend den auftretenden Beschwerden) oder kausal (entsprechend der jeweiligen Ursache). Ein akuter Gefäßverschluss ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Operation und intensivmedizinische Betreuung. Dasselbe macht man mitunter bei chronischen Gefäßerkrankungen.

Ein Blutpfropf lässt sich schon unter örtlicher Betäubung entfernen. Zur Dehnung eines verengten Gefäßes setzt die Gefäßchirurgie Ballonkatheter oder Stents (Hülsen aus Draht) ein. Blutgerinnsel lassen sich mit in das beeinträchtigte Gefäß gespritzten Blutverdünnern auflösen. Bei Arteriosklerose helfen Ausschabungen der betroffenen Blutgefäße (Ausschälplastiken). Lässt sich der Gefäßverschluss nicht operativ entfernen - was jedoch nur selten vorkommt - ist eine Amputation des betroffenen Körperglieds notwendig.

Zur medikamentösen Therapie kommen durchblutungsfördernde (Prostaglandine) oder gerinnungshemmende (Acetylsalicylsäure, ASS) Medikamente zum Einsatz. Hat der Patient Schmerzen, verschreibt ihm der Arzt noch Schmerzmittel oder spritzt (in schweren Fällen) Morphium.

Bei einer pAVK helfen außerdem noch Schwimmen, Fahrradfahren und Krankengymnastik, die Sauerstoffversorgung des betroffenen Körperteils zu verbessern. Warme Armbäder steigern die Durchblutung.

Zur kausalen Therapie und um einer Verschlechterung des Krankheitszustands vorzubeugen, empfiehlt der Arzt dem Kranken, die Risikofaktoren zu beseitigen: Raucher machen eine Raucherentwöhnung, Übergewichtige eine kalorienreduzierte Diät.

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