Aortenstenose - Medizinische Experten

Hinter dem Begriff Aortenstenose oder auch Aortenklappenstenose verbirgt sich die am häufigsten vorkommende Form eines Herzklappenfehlers. Bei der kardiologischen Erkrankung ist die Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader verengt. Welche Folgen das hat, welche Symptome die Aortenstenose hervorruft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, beantworten wir weiter unten auf dieser Seite.

Übersicht

Empfohlene Spezialisten

Aortenstenose - Weitere Informationen

Wie wirkt sich eine Aortenstenose aus?

Die Hauptschlagader (Aorta) befördert Blut, das zuvor in der Lunge mit Sauerstoff angereichert wurde, vom Herzen in den Rest des Körpers. Von der Aorta zweigen alle Blutgefäße ab, die den Organismus mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Die Aortenklappe bildet den Übergang von der linken Herzkammer zur Hauptschlagader. Sie funktioniert ähnlich wie ein Rückschlagventil – sie verhindert, dass das in die Aorta gepumpte Blut ins Herz zurückfließen kann. Die Aortenklappe besteht aus drei segelförmigen Hauttaschen, die sich mit jedem Pumpintervall – also jedem Herzschlag – rhythmisch öffnen und schließen.

Ist die Aortenklappe verengt, muss das Herz mehr Kraft aufwenden, um das Hindernis zu überwinden und Blut in die Aorta zu pumpen. Um die erhöhte Belastung zu kompensieren, baut das Herz zusätzliches Herzmuskelgewebe auf – der Herzmuskel verdickt sich. Auch die linke Herzkammer ist durch die verengte Ausgangsöffnung einem erhöhten Druck ausgesetzt und erweitert sich zunehmend. Durch die vergrößerte Herzkammer und den verdickten Herzmuskel erhöht sich der Sauerstoffbedarf des Herzens - er wäre wiederum nur durch eine vermehrte Blutzufuhr zu decken. Der Blutfluss von der linken Herzkammer in die Aorta funktioniert jedoch durch die Verengung nur eingeschränkt, und der ganze Organismus – auch das Herz – ist in der Folge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dauert dieser Zustand an, nimmt der mangelhaft durchblutete Herzmuskel Schaden – die Pumpleistung des Herzens lässt immer mehr nach.

Welche Ursachen hat eine Aortenstenose?

Für eine Aortenstenose können verschiedene Ursachen verantwortlich sein – je nachdem, ob sie angeboren oder erworben ist. Nur zehn Prozent aller Aortenstenosen bestehen bereits bei der Geburt. In den meisten Fällen entwickelt sich die Herzerkrankung erst im Laufe des Lebens. Aortenklappenstenosen treten am häufigsten bei älteren Menschen nach dem 60. Lebensjahr auf.

Die erworbene Aortenstenose

Ganz vorne bei der Ursachensuche stehen natürliche Alterungsprozesse, die verschleißbedingte Veränderungen mit sich bringen. Sie sind durch einen ungesunden Lebensstil mit wenig Bewegung begünstigt. Durch dauerhaft erhöhte Cholesterinwerte und fortschreitende Verkalkung bilden sich Ablagerungen an den Herzklappen. Die Aortenklappe verliert an Elastizität, verhärtet sich und verwächst mit umliegendem Gewebe – es kommt zu einer Aortenstenose.

Aortenstenosen können auch infolge einer Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) entstehen oder Spätfolge eines Rheumatischen Fiebers sein. In beiden Fällen vernarbt das entzündete Gewebe und schränkt unter Umständen die Klappenfunktion ein.

Die angeborene Aortenklappenstenose

Kommt ein Kind bereits mit einer Aortenstenose zur Welt, ist die Aortenklappe nicht richtig angelegt. Hier bestehen mehrere Möglichkeiten: Die Aortenklappe besitzt nur zwei statt drei Hautsegeln. Die Aortenklappe selbst ist verengt oder die Verengung sitzt oberhalb (supravalvulär) oder unterhalb (subvalvulär) der Klappe.

Welche Symptome treten bei einer Aortenstenose auf?

Eine Aortenstenose entwickelt sich schleichend und bleibt in der ersten Phase meist symptomfrei, da sich das Herz zunächst an die veränderten Umstände anpasst. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass Aortenstenosen über Jahre hinweg unbemerkt bleiben und erst im Rahmen von Routineuntersuchungen auffallen. Die Aortenstenose verläuft in drei Stadien: leicht-, mittel- und hochgradig.

Symptome zeigen sich erst, wenn die Aortenstenose bereits fortgeschritten ist. Dann treten bei körperlicher Belastung vermehrt Beschwerden auf. Das Herz ist beim Treppensteigen oder beim Sport nicht mehr in der Lage, den erhöhten Sauerstoffbedarf zu decken. Das mangelhaft durchblutete Gehirn reagiert mit Schwindel und Benommenheit – dies kann sogar zu einem kurzzeitigen Bewusstseinsverlust (Synkope) führen.

Da auch der Herzmuskel nicht ausreichend durchblutet ist, entstehen Schmerzen hinter dem Brustbein. Eine Aortenstenose ist deshalb eine der Ursachen für Angina Pectoris, auch wenn die Herzkranzgefäße gesund sind. Körperliche Aktivität ist vermehrt mit Atembeschwerden verbunden, die später auch in Ruhe auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium können Aortenstenosen Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern auslösen. Insgesamt ermüdet der Betroffene schnell und ist in seiner Leistungsfähigkeit erheblich eingeschränkt.

Die Symptome im Überblick:

  • Schwindel
  • Benommenheit
  • kurzzeitige Ohnmacht
  • Schmerzen in der Brust (Angina Pectoris)
  • Atembeschwerden
  • Herzrhythmusstörungen
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • schnelle Ermüdung

Wie wird eine Aortenstenose diagnostiziert?

Aortenstenosen erzeugen ein charakteristisches Herzgeräusch – hier gibt das Abhören mit dem Stethoskop erste Hinweise auf die Erkrankung. Zur Diagnose erstellt der Facharzt für Kardiologie außerdem ein EKG, röntgt eventuell den Brustkorb und führt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) durch. Sie gibt Aufschluss über wichtige Parameter wie Herzfunktion, Grad der Verengung der Aortenklappe, Fließgeschwindigkeit des Blutes, Dicke des Herzmuskels und der Herzwände. Die Echokardiografie ist auch ein wichtiges Instrument zur Verlaufskontrolle. Mitunter gehört auch eine Herzkatheter-Untersuchung zur Diagnostik.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine beginnende Aortenstenose, die bei körperlicher Belastung symptomfrei bleibt, ist zunächst nicht behandlungsbedürftig. Allerdings ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig, um eventuelle Veränderungen zu beobachten. Nicht immer tritt eine deutliche Verschlechterung ein, die einer Behandlung bedarf. Mittel- und hochgradige Aortenstenosen erfordern in der Regel eine chirurgische Behandlung. Dabei ersetzt der Herzchirurg die geschädigte Aortenklappe durch eine künstliche Herzklappe oder ein biologisches Transplantat (Herzklappenersatz). Dieser Eingriff ist auch über einen Herzkatheter möglich. Davon profitieren vor allem Menschen, deren Gesundheitszustand eine Operation am offenen Herzen nicht zulässt.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die verengte Herzklappe durch einen Ballonkatheter zu erweitern (Ballondilatation). Hierbei schiebt der Spezialist über die Leiste einen dünnen Schlauch bis zur Aortenklappe. Dort entfaltet sich der Ballon und weitet die verengte Herzklappe. Dieser Eingriff ist vor allem bei angeborenen Aortenstenosen erfolgreich. Bei erworbenen Aortenstenosen dagegen verspricht diese Therapie nicht immer einen langfristigen Erfolg. Hier kommt es häufig zu einem Rezidiv – das heißt, die Aortenklappe verengt sich durch fortschreitende Verkalkung nach einiger Zeit erneut.

Eine Alternative dazu ist die Ross-Operation. Sie kommt vor allem bei Kindern zum Tragen. Hierbei ersetzt die körpereigene Pulmonalklappe, die zwischen rechter Herzkammer und Lungenarterie situiert ist, die defekte Aortenklappe. An die Stelle der weniger belasteten Pulmonalklappe tritt ein sogenanntes Homograft, ein biologisches Transplantat. Der Vorteil: Die Transplantate machen das Körperwachstum des Kindes mit und müssen nicht später erneut ersetzt werden.

Wird die Aortenstenose rechtzeitig erkannt, ist die Langzeitprognose nach einer operativen Behandlung durchaus gut. Umso wichtiger ist es, die Herzerkrankung frühzeitig zu diagnostizieren. Ein Arztbesuch beim Spezialisten gibt Aufschluss, ob eine bisher unerkannte Aortenstenose besteht.

Standorte der Spezialisten

Klinikstandorte
Flughäfen