Sterilitätsdiagnostik - Der Unfruchtbarkeit auf der Spur

Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, bietet ein Experte der Reproduktionsmedizin seine Unterstützung an, um den Ursachen für Unfruchtbarkeit nachzuforschen. Die Sterilitätsdiagnostik gibt dann Aufschluss darüber, welche Gründe bei der weiblichen und männlichen Unfruchtbarkeit vorliegen. So lassen sich die Chancen auf eine Schwangerschaft mit Hilfe einer Kinderwunschbehandlung gezielt erhöhen. 

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Sterilitätsdiagnostik - Weitere Informationen

Eine Sterilität liegt nach medizinischer Definition vor, wenn sich bei einem Paar trotz regelmäßigen Geschlechtsverkehrs innerhalb von 1-2 Jahren keine Schwangerschaft einstellt. Vor den Untersuchungen zur Sterilitätsdiagnostik sind nachfolgende Hinweise zum Kinderwunsch sinnvoll.

Was bedeutet Sterilität und wann liegt Unfruchtbarkeit vor?

Eine primäre Sterilität liegt vor, wenn Sie noch nie schwanger waren. Die sekundäre Sterilität ist definiert als der unerfüllte Kinderwunsch, wenn mindestens eine Schwangerschaft vorausgegangen ist, ungeachtet dessen, ob sie ausgetragen wurde. Eine vollständige Sterilität ist ein Ausnahmefall, zum Beispiel, wenn im Körper des Mannes keine Samenzellen produziert werden oder bei der Frau die Gebärmutter entfernt worden ist.

Etwa 15 % der Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Die Verteilung der Ursachen ist ausgeglichen: 30 % liegen beim Mann, 30 % bei der Frau und in 30 % bei beiden Partnern; bei etwa 10 % der Fälle lässt sich keine Ursache feststellen. Viele Fruchtbarkeitsstörungen sind vorübergehend und grundsätzlich behandelbar.

Infertilität ist nicht das gleiche wie Sterilität:

  • Sterilität bezeichnet die Unfähigkeit, schwanger zu werden
  • Infertilität bedeutet die Unfähigkeit, eine Schwangerschaft auszutragen

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Im Folgenden möchten wir einige Faktoren aufzeigen, die neben den medizinischen Ursachen eine Rolle beim ungewollten Kinderwunsch spielen können.

Eine wichtige Rolle spielt der Zeitpunkt des Eisprungs, der bei Kinderwunsch so treffend wie möglich eingegrenzt werden sollte (Zyklusmonitoring). Da Eizellen etwa 24-48 h befruchtbar bleiben und Spermien im Körper der Frau 2-5 Tage überleben, ist der ideale Zeitpunkt für den Verkehr zwischen zwei Tagen vor dem Eisprung bis ein, maximal zwei Tage danach. Wenn dieses Zeitfenster bei Kinderwunsch optimal genutzt wird, erhöhen sich die Chancen auf eine Schwangerschaft. Ohne Verhütung liegt die statistische Wahrscheinlichkeit, bei regelmäßigem Geschlechtsverkehr schwanger zu werden, bei etwa 25% pro Monat.

Das beste Alter, um schwanger zu werden, ist zwischen 20 und 30 Jahren. Nach dem 30. Lebensjahr beginnt die weibliche Fruchtbarkeit zu sinken, ein Prozess, der nach dem 35. Lebensjahr deutlich an Fahrt aufnimmt. Nach dem 45. Lebensjahr sinkt die Wahrscheinlichkeit, ohne assistierte Reproduktion schwanger zu werden, schließlich fast gegen Null ab.

Bei Männern ist die Zeugungsfähigkeit weniger altersabhängig, allerdings nimmt auch bei ihnen nach dem 40. Lebensjahr die Spermienqualität deutlich ab.

Diese Faktoren verringern die Möglichkeit einer Schwangerschaft

Stress – und nicht zuletzt auch der „Kinderwunschstress“ – kann den Zyklus der Frau beeinflussen und dazu führen, dass kein Eisprung stattfindet. Beim Mann kann Stress die Samenproduktion beeinflussen, allerdings ist dies nicht so gut nachzuweisen wie die Zyklusstörungen bei der Frau.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Starkes Über- und Untergewicht stören nachhaltig den Hormonhaushalt der Frau und können eine Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch sein.
  • Ungesunder Alkoholkonsum schränkt sowohl bei Frauen als auch bei Männern die Fruchtbarkeit ein. Bei Männern zeigt sich dies vor allem bei Störungen der Spermienproduktion, bei Frauen durch eine Beeinflussung des Zyklus.
  • Das Rauchen schließlich stört beim Mann die Spermienproduktion, während sich bei der Frau dadurch nicht nur die Chance auf eine Schwangerschaft verringert, sondern zudem auch eine erhöhte Fehlgeburtsrate besteht.

Treffen einige dieser Risikofaktoren auf Sie zu, können Sie Ihre Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern, indem Sie insgesamt auf eine gesunde Lebensweise achten. Bauen Sie beispielsweise Stress durch Entspannung und Bewegung ab, reduzieren Sie Alkohol und Nikotin und versuchen Sie, das Gewicht in einem gesunden Rahmen zu halten - dabei gibt ein BMI-Rechner schnell Auskunft.

gesunde Lebensweise
Eine gesunde Lebensweise hält Sie insgesamt fit und verbessert Ihre Fruchtbarkeit © Trueffelpix / Fotolia

Das Gespräch mit dem Arzt zur Sterilitätsdiagnose

Neben diesen Faktoren, gibt es eine Reihe an persönlichen Fragen zu den individuellen Lebensumständen, die in der Kinderwunschsprechstunde angesprochen werden. Ihr Arzt wird diese mit Ihnen abklären, bevor eine aufwendige Sterilitätsdiagnostik begonnen wird:

  • Wie lange besteht schon Kinderwunsch?
  • Wer von Ihnen leidet mehr unter dem unerfüllten Kinderwunsch?
  • Wie oft haben Sie Verkehr?
  • Sind Sie zufrieden mit Ihrer Sexualität?
  • Haben Sie selbst eine Idee, was die Ursachen für Ihre Unfruchtbarkeit sein könnten?
  • Sehen Sie Grenzen einer Kinderwunschbehandlung?
  • Was passiert, wenn die Behandlung nicht erfolgreich ist?

Körperliche Untersuchung bei der weiblichen Unfruchtbarkeit

Nach diesen Gesprächen folgt die Abklärung körperlicher Ursachen im Rahmen der Sterilitätsdiagnostik. Obwohl sich die körperlichen Ursachen bei unerfülltem Kinderwunsch bei den Geschlechtern etwa ausgewogen sind, konzentrieren wir uns hier auf den Untersuchungsgang bei der Frau.

Die körperlichen Ursachen für eine weibliche Sterilität sind in abnehmender Häufigkeit:

  • Störungen der Eierstockfunktion
  • undurchlässige Eileiter
  • Fehlbildungen oder Erkrankungen der Gebärmutter
  • Veränderungen des Schleims des Gebärmutterhalses
  • immunologische Reaktionen auf die männlichen Samenzellen

Anatomie der Gebärmutter
Anatomie der Gebärmutter und Eierstöcken © bilderzwerg / Fotolia

Ursache einer Störung der Eierstockfunktion sind möglicherweise:

  • eine Gelbkörperschwäche (zum Beispiel durch einen Überschuss an männlichen Hormonen beim Syndrom der polyzystischen Ovarien PCOS)
  • eine Störung der Schilddrüsenfunktion
  • ein vorzeitiges Einsetzen der Wechseljahre
  • ein hormonaktiver Tumor
  • Kortisondauertherapie

Undurchlässige Eileiter können Folgen verschiedener vorangegangener Störungen sein, wie etwa:

  • zurückliegende Entzündungen
  • Eileiterschwangerschaften
  • Operationen im Bauchraum

Des Weiteren kommt als Ursache eine versprengte Gebärmutterschleimhaut – die sogenannte Endometriose – in Betracht.

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Endometriose 

Zu den Erkrankungen der Gebärmutter, die eine Sterilität verursachen können, zählen Myome, Verklebungen nach Operationen oder Entzündungen oder auch Fehlbildungen.

Veränderungen des Gebärmutterhalsschleims können durch eine verminderte Bildung durch Hormonmangel oder durch zurückliegende Operationen wie z.B. eine Konisation verursacht werden.

Auch die immunologische Ursache einer Sterilität spielt sich im Wesentlichen im Gebärmutterhalsschleim ab, der Antikörper gegen das Sperma des Mannes enthalten kann.

Behandlungsschritte einer Sterilitätsdiagnostik

Ihr behandelnder Arzt wird eine umfangreiche Untersuchung durchführen. Dazu gehören diese Diagnoseschritte:

  • Zu Beginn der Sterilitätsdiagnostik wird das Zyklusgeschehen analysiert und eine Basaltemperaturkurve erstellt. Dabei können Sie häufig schon die ersten wichtigen Hinweise erhalten.
  • Obwohl immunologische Ursachen eher selten sind, ist auch der Postkoitaltest eine früh und relativ leicht durchgeführte Untersuchung. Der Gebärmutterhalsschleim wird 12 Stunden nach ungeschütztem Verkehr auf die Zahl und Beweglichkeit der darin befindlichen Spermien unter dem Mikroskop untersucht. Ist das Spermiogramm des Mannes in Ordnung, bietet der Test bei fehlenden oder nur unbeweglichen Spermien Hinweise darauf, ob eine Antikörperbildung und damit Immunreaktion bei der Frau vorliegt.
  • Relativ einfach ist auch die Hormondiagnostik, bei der ihr Arzt durch eine Blutentnahme untersucht, ob es hormonelle Ungleichgewichte gibt.
  • Eine Möglichkeit, die Durchgängigkeit der Eileiter zu prüfen, ist die Kontrastmittelsonographie. Nachdem Ultraschall-Kontrastmittel in die Gebärmutter eingebracht wurde, kann der Weg des Kontrastmittels per Ultraschall verfolgt werden. So wird eindeutig die Durchgängigkeit oder der Verschluss der Eileiter überprüft. Allerdings bedeuten offene Eileiter noch nicht, wie funktionsfähig diese sind. 
  • Dies ist nur möglich mit der Bauchspiegelung, dem Goldstandard in der Abklärung körperlicher Ursachen der weiblichen Sterilität. Dabei können Gebärmutter und Eileiter genau untersucht, die Durchgängigkeit der Eileiter geprüft und ggf. Verwachsungen oder Endometrioseherde im gleichen Eingriff behandelt werden.
  • Üblicherweise erfolgt die Bauchspiegelung in Kombination mit einer Gebärmutterspiegelung, um die Gebärmutter als Ursache auszuschließen und eventuelle Ursachen wie Verklebungen auch bereits zu beseitigen.

Die Eingriffe können in aller Regel ambulant durchgeführt werden.

Autor: Dr. med. Hans-Christian Kolberg

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