Spermiogramm - Medizinische Experten

Bei einem Spermiogramm wird das Ejakulat des Mannes analysiert, um herauszufinden ob er zeugunsfähig ist. Wie genau ein Spermiogramm erstellt wird und welche Eigenschaften des Spermas untersucht werden, verrät der untenstehende Text.

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Spermiogramm - Weitere Informationen

Was ist ein Spermiogramm?

Bei einem Spermiogramm handelt es sich um die Untersuchung der männlichen Samenflüssigkeit (Ejakulat) zur Beurteilung der Fruchtbarkeit (Fertilisation) des Mannes. Diese wird von Experten auf von der World Health Organization (WHO) festgelegte Normwerte untersucht. Bei den Normwerten handelt es sich um weltweit gültige Richtwerte zur Beurteilung und Vergleichbarkeit der Qualität männlicher Samenflüssigkeit.

Das Sperma wird dabei auf unterschiedliche Parameter untersucht. Dazu gehören zum Beispiel

  • das Volumen des Ejakulats,
  • die Spermiendichte,
  • die Fehlformrate und
  • die Spermiensterblichkeit.

Eine unzureichende Qualität der Samenflüssigkeit oder zu geringe Anzahl an Spermien kann ursächlich sein für eine Zeugungsunfähigkeit des Mannes.

Wann wird ein Spermiogramm erstellt?

Es gibt verschiedene Gründe dafür, ein Spermiogramm durchführen zu lassen. Oft ist es ein unerfüllter Kinderwunsch, der Paare dazu veranlasst, nicht nur die Zeugungsfähigkeit der Frau, sondern auch des Mannes in Frage zu stellen. Stellt sich nach ungefähr zwei Jahren der ungewollten Kinderlosigkeit trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft ein, so ist dies ein durchaus berechtigter Anlass, neben entsprechenden Untersuchungen bei der Frau auch die Spermaqualität des Mannes einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit kann sowohl beim Mann als auch der Frau zu finden sein. Bei der Frau kann die Bestimmung verschiedener Hormone oder auch die Ultraschalluntersuchung der Organe wie beispielsweise Gebärmutter oder Eierstöcke zur Klärung der Ursache für eine Unfruchtbarkeit herangezogen werden. Mithilfe eines Spermiogramms kann beim Mann festgestellt werden, ob die Qualität der Samenflüssigkeit für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich ist. Das Spermiogramm gibt dann Aufschluss über eine eventuelle Unfruchtbarkeit des Mannes und das betroffene Paar kann sich mit dieser Gewissheit anschließend den Methoden der künstlichen Befruchtung, wie der Insemination oder In-Vitro-Fertilisation zuwenden.

Neben der ungewollten Kinderlosigkeit kann auch eine bereits durchgeführte Vasektomie (Sterilisation) den Wunsch erwecken, sich mit Hilfe einer genauen Spermauntersuchung absolute Sicherheit über die dauerhafte Unfruchtbarkeit und damit den Erfolg des Eingriffs zu verschaffen.

Wie wird ein Spermiogramm erstellt?

Um ein aussagekräftiges Spermiogramm zu erstellen, wird die Spermaprobe nach einer Karenzzeit von drei bis fünf Tagen durch Masturbation gewonnen. Das Ejakulat enthält nach dieser Zeit die maximale Anzahl an gesunden Spermien und wird anschließend makroskopisch und mikroskopisch untersucht. Am Ende der Untersuchung erfolgt der Vergleich der Samenqualität des Patienten mit den zu Grunde liegenden Normwerten der WHO, um verlässliche Aussagen zur Fruchtbarkeit des Patienten machen zu können.

Zur Erstellung eines Spermiogramms erfolgt die Abgabe des Ejakulats unter keimfreien Bedingungen in einen sterilen Behälter. Die Samenprobe kann vom Patienten entweder beim Experten vor Ort in dafür bereit gestellten Räumlichkeiten gewonnen werden oder bei ihm zu Hause in seiner gewohnten Umgebung. Die Probe darf bei der Erstellung des Spermiogramms nicht älter als eine halbe Stunde sein. Die Qualität des Ejakulats kann stark schwanken. Das Spermiogramm muss somit bis zu dreimal erstellt werden, bevor eine Sterilität eindeutig festgestellt werden kann. Spermiogramme werden in der Regel von Experten für Reproduktionsmedizin durchgeführt.

Was wird bei einem Spermiogramm untersucht?

Bei einem Spermiogramm wird zunächst eine makroskopische Untersuchung durchgeführt. Dabei erfolgt die Untersuchung der Samenflüssigkeit ohne das Mikroskop als Hilfsmittel. Untersucht werden unter anderem Volumen, Geruch, Farbe und pH-Wert des Ejakulats.

Nachdem die Samenflüssigkeit zunächst ohne Hilfsmittel analysiert wurde, erfolgt eine genauere Untersuchung unter dem Mikroskop. Bei dieser mikroskopischen Untersuchung wird eine kleine Menge des Ejakulats unter standardisierten Bedingungen mittels Mikroskop ausgewertet. Näher betrachtet werden unter anderem die Gesamtanzahl, Konzentration und Beweglichkeit der Spermien.

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Eingefärbte Spermaprobe unter dem Lichtmikroskop; von Bobjgalindo - Eigenes Werk, GFDL, Link

Makroskopische Analyse der Samenflüssigkeit

Nachfolgende Merkmale werden bei der makroskopischen Untersuchung überprüft:

  • Verflüssigungszeit: Kurz nach dem Austritt aus den Samenwegen wird das Ejakulat zunächst zähflüssig und verflüssigt sich nach einer halben Stunde wieder. Findet diese Verflüssigung nicht statt, wird von einer Hyperviskositätsstörung gesprochen.
  • Volumen: Das Volumen sollte laut WHO bei mindestens 1,5 ml pro Ejakulation liegen. Eine zu geringe Spermamenge weist auf fehlendes Samenblasensekret hin. Das Samenblasensekret nimmt normalerweise ungefähr 2/3 der Samenflüssigkeit ein. Ist das Ejakulatvolumen zu gering, so kann es sein, dass die sogenannten Spritzkanäle aus den Samenbläschen verschlossen sind.
  • Farbe: Gesundes Sperma hat eine weißlich trübe Färbung. Verfärbungen können unterschiedliche Ursachen haben. Eine gelbliche Verfärbung weist auf eine Infektion hin, wohingegen eine rötliche Verfärbung auf vorhandene rote Blutkörperchen (Erythrozyten) hindeutet. Eine bräunliche Verfärbung kann zum Beispiel auf Blutbeimengung hindeuten.
  • pH-Wert: Der pH-Wert der Samenflüssigkeit sollte laut WHO zwischen 7,2 und 8 liegen. Ist der Wert höher, so kann dies die Folge aus einer Infektion sein. Geringere Werte können sich aus einer Missbildung oder einem Verschluss des Samenleiters, der Samenblase oder des Nebenhodens ergeben.

Mikroskopische Analyse der Samenflüssigkeit

Im Rahmen der mikroskopischen Untersuchung wird die Gesamtanzahl der Spermien pro Ejakulat, die Konzentration der Spermien pro Milliliter des Ejakulats sowie die Beweglichkeit (Motiliät) und Lebendigkeit (Vitalität) überprüft. Außerdem wird untersucht innerhalb welchem Zeitraum sich das Ejakulat verflüssigt und wie die äußere Form (Morphologie) der Spermatozoen ist. Eine Unfruchtbarkeit wird ausgeschlossen, wenn die Samenflüssigkeit folgende Normwerte erfüllt:

  • Die Spermaprobe sollte eine Gesamtanzahl von 39 Millionen Spermien aufweisen.
  • Pro Milliliter sollte die Konzentration der Spermien bei 15 Millionen liegen.
  • Die Beweglichkeit der Spermien sollte entweder bei 40 Prozent vorwärtsbeweglichen (Totale Motilität) oder 32 Prozent schnell vorwärtsbeweglichen (Progressive Motilität) Spermatozoen liegen.
  • Vital sollten 58 Prozent der Samenzellen sein.
  • Der Zeitraum bis zur Verflüssigung sollte bei 15 bis 30 Minuten liegen.

Samenzellen weisen zudem normalerweise einen ovalen Kopf, ein kurzes Mittelstück und ein Schwanzstück auf. Ein krankhaftes Spermium weicht in seiner äußeren Form von dieser Norm ab. So kann es beispielweise sein, dass der Kopf zu klein ist und sich Schäden am Mittel- und Schwanzstück finden lassen. Generell darf der Anteil an normal geformten Spermien nicht unter vier Prozent fallen.

Des Weiteren sollte die Samenflüssigkeit nach WHO weniger als eine Million Leukozyten (weiße Blutkörperchen) pro Milliliter enthalten. Leukozyten in Sperma können die Folge aus einer Entzündung der Samenleiter sein und die Qualität der Samenflüssigkeit negativ beeinflussen. Außerdem sollten weniger als 50 Prozent der beweglichen Spermien mit Erythrozyten (rote Blutkörperchen) behaftet sein, da diese die Spermienqualität ebenso beeinträchtigen. Mithilfe eines MAR-Tests (Mixed Antiglobulin Reaction-Test) können die Spermien auf anhaftende rote Blutkörperchen untersucht werden.

Auswertung eines Spermiogramms

Die Ergebnisse aus der Untersuchung der Samenflüssigkeit werden zur Fruchtbarkeitsbestimmung mit den beschriebenen Normwerten der WHO verglichen. Bei allen genannten Werten handelt es sich um Mindestwerte. Eine normale Fruchtbarkeit beziehungsweise Zeugungsfähigkeit setzt voraus, dass die Qualität der Samenflüssigkeit des Patienten diesen Werten entspricht. Ist dies der Fall, so ist damit die uneingeschränkte Zeugungsfähigkeit gewährleistet.

Liegt hingegen eine Unfruchtbarkeit (Sterilität) vor, dann kann dies unterschiedliche Ursachen haben. So können beispielweise eine Erkrankung an Mumps sowie Geschlechtskrankheiten oder Verletzungen im Genitalbereich zu Entzündungen der Samenwege führen oder deren Verschluss verursachen. Treten Krampfadern am Hoden auf, so können diese dazu führen, dass sich der Hoden überwärmt und dadurch dauerhaft Spermien schädigt. Umwelteinflüsse wie Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum und Stress wirken sich ebenfalls negativ auf die Spermienqualität aus.

Sollte nach einer ersten Analyse des Ejakulats mindestens einer der Werte von der Norm abweichen, wird nach etwa zwei Monaten eine erneute Analyse des Spermas durchgeführt, um einen bestehenden Verdacht auf Unfruchtbarkeit zu bestätigen oder auszuräumen.

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